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34. Spieltag FCK 1 - 0 1.FC Nürnberg Spielbericht

Ende. Mit Schrecken.

Ende. Mit Schrecken.

Klassenerhalt am 34. Spieltag. Die Roten Teufel ersparen ihren Anhängern die Verlängerung einer Saison zum Vergessen, doch in die Erleichterung mischen sich die Sorgen um die Zukunft des FCK. Ein Lichtblick ist der Nachwuchs.

Was haben die Fans des 1. FC Kaiserslautern in den letzten Wochen nicht alles versucht: Fahnentag, Rote Wand, das Motto "Unzerstörbar" wurde wieder beschworen. Ins gleiche Horn blies der Verein, der mit Video-Botschaften und Pfälzer bzw. FCK-Prominenz mantraartig zum Zusammenhalt aufrief. Leider blieb das heißersehnte Erfolgserlebnis aus, gegen St. Pauli, gegen Aue – und plötzlich war der letzte Spieltag da und die Roten Teufel schwebten immer noch in Abstiegsgefahr.

Zum (erhofften) Saisonabschluss sammelten sich die Anhänger weit vor Anpfiff am Stiftsplatz, um per Fanmarsch hinauf zum Fritz-Walter-Stadion zu ziehen und dort den Bus der Mannschaft in Empfang zu nehmen. Nach kurzem, aber atmosphärischen Zwischenhalt am Elf-Freunde-Kreisel mit lautem Gesang und Pyro standen die meisten dann die Straße zum Betzenberg hinauf und warteten bei herrlichem Mai-Wetter. Der Mannschaftsbus wurde schließlich mit einem energischen "Wir wollen euch kämpfen sehn" und viel motivierendem Applaus begrüßt, ehe die Bastion Betzenberg von den Fans gestürmt wurde.

Energischer Empfang für den Mannschaftsbus – Jubiläumschoreo der Frenetic Youth

Im Fritz-Walter-Stadion tummelten sich schließlich 38.423 Zuschauer, der drittbeste Wert dieser Saison. Während die rund 2.500 Nürnberger mit der einfallenden Sonne zu kämpfen hatten und die Oberkörper-Frei-Fraktion sich irgendwann farblich den roten T-Shirts der anderen annäherte, beschäftigte man sich in der Westkurve mit der Wiedereinführung der Barzahlung nach der Justpay-Insolvenz. Mit Einlauf der Mannschaften feierte die "Frenetic Youth" mit einer spektakulären Choreo mit Schwenkfahnen, Zetteln, Spruchbändern, Konfetti, Luftschlangen und Blockfahne ihr 10-jähriges Jubiläum: "Wir teilten Euphorie und belastende Sorgen. Mit dieser Familie bin ich erwachsen geworden." Eine Hommage an sich selbst, aber auch an die FCK-Familie, mit der man zusammen dem Verein folgt. Es sollte nicht die einzige Stadion-Aktion an diesem Tag bleiben.

Trainer Norbert Meier brachte etwas Bewegung in die Startelf und stellte sein System um auf ein 4-2-3-1, das zeitweise sogar in Richtung 4-3-3 tendierte: Im komplett neuformierten Angriff sollten Debütant Nicklas Shipnoski, Robert Glatzel und Osayamen Osawe von Beginn an für Wirbel sorgen. In der Abwehr ersetzte Naser Aliji den gesperrten Marcel Gaus. Vielleicht lag es an den Änderungen oder an der Nervosität, aber die Anfangsphase gehörte den Gästen aus Nürnberg. Während die Roten Teufel öfter mal auf dem bewässerten Rasen ausrutschten, gaben die Fans ihrem Team den nötigen Halt. Lautstark trieben sie die "Männer in Rot" Stück für Stück weg vom eigenen Tor in Richtung Ostkurve. Schnell hielt es auch die Südtribüne nicht mehr auf den Sitzen und sie brüllte, klatschte ihren FCK ebenfalls in Richtung gegnerisches Tor.

Ausgerechnet Daniel Halfar erzielt das erlösende 1:0 für den FCK

Und in der 20. Minute war es dann tatsächlich soweit: Daniel Halfar trat die zweite Ecke für den FCK – direkt ins Tor! Grenzenloser Jubel im Fritz-Walter-Stadion, bei den Spielern, auf der Ersatzbank, im Westen, Süden, Norden und Osten! Kurz vor Schluss der erste Saisontreffer von Kapitän Halfar, der sich so durch diese Saison quälte, oft mit Schmerzen und Tabletten spielte. Und was für ein wichtiges Tor. FCN-Torhüter Thorsten Kirschbaum sah, ebenso wie die abwehrenden Franken, dabei nicht gut aus. Richtig toll sah dagegen die Südtribüne aus. Ein kleiner Fingerzeig, was möglich ist, wenn auch dort die Reihen geschlossen sind.

Kollektive Erleichterung im Fritz-Walter-Stadion, wo nach der Führung die ohnehin schon lauten Gesänge noch etwas wilder wurden. Bis zur Halbzeit gab es keinen Schongang. Ein weiteres Erfolgserlebnis blieb allerdings aus. In der Pause wurden die Fans auch bezüglich der Zwischenergebnisse auf den anderen Plätzen auf den neuesten Stand gebracht. Angesichts der FCK-Führung war zwar sowieso allen klar, dass der Klassenerhalt zum Greifen nahe war. Doch die Führung von Stuttgart gegen Würzburg, Unentschieden bei Bielefeld und 1860, sowie der Rückstand der Badenser war dann doch mehrfach Applaus wert.

Mit Anpfiff zur zweiten Halbzeit gab es einen Wechselgesang der Heim- und Gästefans in Richtung DFB. Gemeinsam zeigte man sich solidarisch mit dem Protestgründen von Dynamo Dresden, auf deren Kosten sich gerade Verband, Presse und Politik profilieren möchte. Getrennt in den Farben, vereint in der Sache hieß es in beiden Kurven: "Krieg dem DFB". Die hippieske Atmosphäre wurde dann mit einem derben "Nürnberger Arschlöcher" aufgelöst. Schließlich galt es auch in den zweiten 45 Minuten klarzumachen, dass es für die Franken auf dem Betze nichts zu holen gibt.

Westkurve zwischen Wut und Applaus – Halfar junior rettet die Situation

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, behielt der FCK auch die Kontrolle über das Spiel, konnte die Überlegenheit aber nicht in eine durchaus verdiente höhere Führung ummünzen. So plätscherten Spiel und Stimmung etwas dahin, während der Fokus zahlreicher Fans sich wieder Richtung eigener Belange richtete. Kurz vor Schluss wurde das letzte Banner "Eine Fangemeinschaft mit Leidenschaft - Eine Mannschaft ohne Charakter" in Richtung Westkurve gezeigt und anschließend mit dem Abpfiff in Richtung Mannschaft gedreht. Zahlreiche Bengalos, Rauchtöpfe und Raketen ließen ungezählte Smartphones in die Höhe schnellen, es gab auch Pfiffe und Applaus, während sich die Mannschaft hinter einem in die Hand gedrückten Banner im Stadion für die vergangene Unterstützung bedankte. Eine etwas groteske Gesamtsituation irgendwo zwischen Gut und Böse. Soll man sich über diesen Klassenerhalt wirklich freuen? Aber andererseits: Ob es nächste Saison wirklich besser wird?

Viele Fans machten sich da schon auf den Heimweg. Der Saisonverlauf hat auf allen Seiten wieder mal unerfreuliche Spuren hinterlassen und Kraft gekostet, die nun in der Sommerpause mühsam wieder neu geschöpft werden muss. Doch das scheint den Nachwuchs nicht zu kümmern. All der Stress war wie verflogen, als der Sohnemann von Kapitän Halfar mit der Westkurve mehrfach die Welle machte. Für einen Platz in der Startelf mag es noch zu früh sein. Platz in der Westkurve ist für ihn allemal.

 
33. Spieltag Erzgebirge Aue 2 - 1 FCK Spielbericht


Countdown statt Erlösung

Countdown statt Erlösung

Etwa 1.500 Fans des 1. FC Kaiserslautern reisten am Muttertag nach Sachsen, wo die mit insgesamt 10.000 Zuschauern ausverkaufte Baustelle Erzgebirgsstadion wartete. Schließlich galt es gegen Erzgebirge Aue gemeinsam mit den FCK-Profis die Mission „Unzerstörbar“ vom Schlingerkurs zurück auf den rechten Weg zu bringen. Während sich die Heimfans schon auf der überdachten neuen Tribüne eingerichtet haben, bleibt für die Gästefans im „Schacht“ noch alles beim Alten. Provisorische Toiletten, raue Betonstufen, in deren Lücken sich Unkraut einnistet, verstaubter oder schlammiger Boden und keine Überdachung. Ein ideales Ambiente für Arbeitssiege, die zusammen errungen werden müssen.

Die alten Zäune in der halben Gästekurve wurden reichlich mit Zaunfahnen bestückt. Im Vordergrund prangte „Unzerstörbar“ neben vielen Fanclub-Bannern, hinter den Fans die „Bastion Betzenberg“, für die erst noch eine entsprechende Erweiterung der Rückwand gebastelt werden musste. Ansonsten blieb der seitliche rechte Bereich im Gästeblock leer – denn außer grauem Beton sieht man von dort gar nichts mehr, weil der halbseitige Rohbau der neuen Tribüne einem die Sicht auf das Spielfeld versperrt.

Steigerlied vs. You'll never walk alone

Im Sonnenschein wurden erste Lieder angestimmt, die vom Stadionradio im Verbund mit dem Auer Publikum allerdings des öfteren übertönt wurden. Die Schalparade zum traditionellen „You‘ll never Walk Alone“ beim Einlauf der Mannschaften ging im „Steigerlied“ sang- und klanglos unter und damit wäre auch schon der Spielverlauf überspitzt formuliert vorweggenommen.

In den ersten 45 Minuten verhinderten effektive Rote Teufel gute Chancen von Erzgebirge Aue, strahlten aber auch selbst kaum Torgefahr aus. Alles wie gehabt, bis auf eine irritierende Langsamkeit bei der Ballannahme: Der eine Schritt zurück, weil der zugepasste Ball ja in die eigene Richtung unterwegs war. Das kann man schon machen, nur sollten dann keine motivierten Gegenspieler in der Nähe sein. Zahlreiche Bälle gingen sofort oder bei einem überhasteten Pass in der Folge verloren. Ein müdes Null zu Null zur Pause war das logische Resultat.

Die zweite Halbzeit begann etwas spektakulärer und sollte nicht an Fahrt einbüßen. Die Offensivbemühungen der Lautrer gipfelten vereinzelt in Torchancen, was allerdings auch für die Gegenseite galt. So wurden die Roten Teufel aus dem Gästeblock immer weiter, immer lauter nach vorne getrieben, ebenso wie auch das heimische Team von „Wismut Aue“. Und in der 59. Minuten zappelte der Ball nach einem erfolgreichen Angriff der Veilchen im Netz des FCK. Fehler Koch, Abschluss Kvesic, 1:0 für Aue.

Nach dem Rückstand beginnt die Stimmung zu kippen

Wo die Schlachtenbummler aus der Pfalz gerade noch fanatisch Richtung Klassenerhalt und für den Verein brüllten, kippte die Atmosphäre kurz zu einem energischen „Wir woll'n euch kämpfen sehn“, dass knapp zehn Minuten mit etwas mehr Wut und Verzweiflung wiederholt angestimmt wurde. Als die Fans sich gegen Ende auf ein „Lautrer geben niemals auf" einigten und es stur zur Selbstvergewisserung und Richtung Mannschaft bellten, schien die Elf von Norbert Meier endlich aus der Lethargie aufzuwachen. Wie schon gegen St. Pauli drängte der FCK in den allerletzten Minuten auf einen Ausgleich.

Aue hatte die Partie nun nicht mehr im Griff, aber der Druck von Kaiserslautern reichte nicht mehr für den Ausgleich. Zu allem Überfluss kassierte Marcel Gaus auch noch seine zehnte Gelbe Karte und ist nun im Saisonfinale gesperrt. Ein Tor sollte nicht mehr gelingen und Schiedsrichter Robert Hartmann pfiff nach dreiminütiger Nachspielzeit ab.

Es folgte das große Durchschütteln. Konsternierte FCK-Fans fanden sich auf, neben und vor dem Zaun wieder, wollten die Spieler zur Rede stellen, während andere vor dem einsetzenden strömenden Regen aus dem Block in Richtung Hügel flüchteten. Als die Mannschaft regungslos an der Gästekurve vorbeizog und stattdessen behelmte Polizisten in Stellung gingen, kochten die Emotionen noch mal ordentlich hoch und es fiel so manches böse Wort, aber alles blieb auf verbaler Ebene und kein Spieler wurde körperlich angegangen oder ähnliches.

Lamentieren bringt nichts: Nächste Woche kann nur zusammen gewonnen werden

Die Abfahrt der Roten Teufel verzögerte sich in der Folge dennoch, weil zahlreiche Fans noch Redebedarf sahen, dem sich die Spieler und Verantwortliche nach rund einer Stunde Wartezeit auch stellten. Alle sind vom Zweifel und der Sorge geeint, dass diese Saison noch so richtig vor die Wand gefahren wird. Die Gemüter hatten sich zu diesem Zeitpunkt aber schon wieder etwas abgekühlt, so dass alle Spieler und Fans nach diesem ersten reinigenden Gespräch zumindest friedlich auseinander gingen und die weite Heimreise nach Kaiserslautern und Umgebung antraten.

Trotz der Nervosität und der kurzen Unruhen nach Abpfiff wollen (und müssen) wir doch noch mindestens einmal geschlossen hinter unserer Mannschaft stehen. Was bleibt der FCK-Familie angesichts dieser Situation auch anderes übrig? Und wenn ein Signal vom Feld in Richtung Kurve wieder mal verpufft, müssen die Fans sicherstellen, dass der Druck und Schwung von den Rängen kommt.

Es ist angerichtet: Zum Saisonfinale kommt der 1. FC Nürnberg ins Fritz-Walter-Stadion und der 1. FC Kaiserslautern braucht jeden Mann und jede Frau, um nicht doch noch auf den Relegationsplatz abzustürzen. Lasst uns den Zuschauerrekord dieser Saison nach oben zu treiben. Bringt eure Kollegen, Freunde und Familie mit. Schnappt euch eure Trikots, T-Shirts, Schals, Fahnen oder Kutten, werft euch in Schale. Ölt die Stimmbänder. Helft mit, dass diese 90 Minuten das große Finale einer Saison zum Vergessen werden. Kämpfen, Lautern, kämpfen!


 
32. Spieltag FCK 1 - 2 FC St. Pauli Spielbericht
Chance vergeben - Zweifel bleiben

Chance vergeben - Zweifel bleiben

 

06.05.2017 - 14:00 Uhr

Mit einem schwachen Auftritt gegen St. Pauli hat der FCK die Chance auf einen großen Befreiungsschlag verschenkt. Nicht nur das Ergebnis, auch das Zustandekommen der 1:2-Heimpleite warf Fragen auf - mal wieder.

 

Der Schuss wurde lang und länger, der Ball zischte halbhoch über den Rasen auf das Tor von Philipp Heerwagen zu. Der Schlussmann des FC St. Pauli hechtete - und streckte sich vergeblich. Doch der zu erwartende Torschrei blieb aus, stattdessen ging Sekundenbruchteile später ein lautes Raunen durch das Fritz-Walter-Stadion.

Es war die 84. Minute, der 1. FC Kaiserslautern lag 0:2 zurück und hätte in jenem Moment beinahe durch Tim Heubachs Distanzschuss den Anschlusstreffer erzielt. Der satte Abschluss des Innenverteidigers rauschte aber nicht ins Netz, sondern prallte stattdessen an den rechten Außenpfosten. Sehr zum Leidwesen des überwiegenden Teils der 35.781 Zuschauer, die an diesem Freitagabend auf den Betzenberg gekommen waren.

Das 1:2 fiel erst knapp sieben Minuten später, als Marcel Gaus den Ball über die Linie drückte - es war aber leider zu spät. "Wir können von Glück sagen, dass der Anschlusstreffer nicht früher fällt. Das Stadion ist explodiert", sagte St. Paulis Cheftrainer Ewald Lienen nach dem Schlusspfiff. "Ich glaube, dann wäre es schwer geworden mit der Euphorie im Stadion, die die Zuschauer hier entfachen."

"Wir haben heute einen Rückschlag erlitten"

Tatsächlich hatte Gaus’ spätes Tor den Betzenberg noch einmal in ein Tollhaus verwandelt. Zwei Eckbälle erkämpften sich die Lautrer unter dem brachialen Anfreuerungsrufen ihrer Fans in der dreiminütigen Nachspielzeit. Das 2:2 - nach welchem der Betzenberg wohl wie seit Jahren nicht mehr bis in seine tiefsten Schichten erschüttert worden wäre - fiel jedoch nicht mehr. Es blieb bei der knappen, aber leider verdienten 1:2-Niederlage, die unter dem Strich für eine große Portion Ernüchterung bei Mannschaft, Fans und dem Trainer sorgte, trotz der spannenden Schlussphase.

"Ich habe den Spielern gesagt, dass wir heute einen Rückschlag erlitten haben, das ist doch ganz klar", sagte Norbert Meier. Ein Rückschlag, der sich auch auf den Tribünen bitter anfühlte.

Denn nach zwei Siegen in Folge waren die Erwartungen groß. "Alle in Rot" lautete das Motto und das endlich mal wieder einigermaßen anständig gefüllte Fritz-Walter-Stadion gab äußerlich wie stimmungsmäßig eine tolle Kulisse ab. 2.500 Fans hatten den FC St. Pauli zum Freitagabendspiel auf den Betzenberg begleitet und trugen ihren Teil zur tollen Atmosphäre bei. Vor dem Anpfiff machten beide Seiten so dermaßen Lärm, dass der Einlaufsong "Can’t stop" von den Red Hot Chili Peppers, den sich die Roten Teufel mit Boxer Wladimir Klitschko teilen, kaum zu hören war, als die Mannschaften das Feld betraten.

Die Leistung der ersten Hälfte sorgte auf Lautrer Seite allerdings schnell für große Enttäuschung. Offensiv fand der FCK so gut wie gar nicht statt, stieß nur selten überhaupt mal ins Angriffsdrittel vor. Einmal mehr fehlten Kacper Przybylko und Jacques Zoua, die noch in Karlsruhe zwei Tore erzielt hatten, komplett die Bindung zum Spiel. Potentielle Vorbereiter wie Christoph Moritz, Daniel Halfar oder Marcel Gaus enttäuschten vor allem zu Beginn des Spiels.

Eine Halbzeit wie die ganze Saison

Teils riesige Abstände zwischen den Mannschaftsteilen, mäßiges Zweikampfverhalten, kaum Mittel, um die schnellen Außen des FC St. Pauli einzufangen, Abstimmungsfehler und Fehlpässe, dazu keiner, der mal selbstbewusst voran ging und seine Mitspieler mitziehen konnte: 45 Minuten wie ein Spiegelbild der FCK-Saison. Entsprechend schnell schwand der Optimismus beim Betze-Publikum, erhielt kurz nach der Pause aber noch einmal Aufschwung, als der stärker werdende Gaus die dicke Chance zum 1:0 vergab (46.).

Nun waren die Anfeuerungsrufe aus der Westkurve noch einmal richtig, richtig laut, erstarben aber kurz darauf wieder: St. Pauli nämlich nutzte einen Abstimmungsfehler der Pfälzer und ging durch Aziz Bouhaddouz in Führung. Trotz der drei aufgebotenen Innenverteidiger musste sich letztlich der 1,70 Meter kleine Phillipp Mwene gegen den wuchtigen Angreifer behaupten und war chancenlos (49.). Es blieb nicht der einzige Fehler, der bestraft werden sollte. 20 Minuten später spielten die Gäste ihre Konterstärke aus: Christopher Buchtmann erzielte dank einer simplen, aber effektiven Kombination das 2:0, nachdem er den Ball zuvor unbehelligt durch das Mittelfeld treiben konnte. "Ich muss da ein taktisches Foul spielen", gab Robin Koch, der Buchtmann laufen ließ, nach dem Spiel zu.

Unterm Strich eine lasche Darbietung des FCK-Teams

"Wir spekulieren. Wir nehmen die Situation nicht so wahr, wie sie dann wird", sagte FCK-Trainer Meier nach dem Spiel. Eine ziemlich bittere Erkenntnis, angesichts der angespannten Lage im Abstiegskampf. Die Ungeduld war auch auf den Rängen zu spüren und erneut bemühten sich die Fans der Pfälzer, mit einem lauten "Wir woll’n euch kämpfen sehen" von außen einen Impuls zu setzen. Was noch in Karlsruhe klappte, war diesmal aber nicht von Erfolg gekrönt.

Es drängte sich damit die Frage auf, wieso die Mannschaft nach zwei ohnehin glanzlosen, aber wenigstens ertrotzten Siegen wieder so eine emotionslose, lasche Darbietung auf den Rasen bringt. Das zuvor punktgleiche Team aus St. Pauli, das nun anstelle des FCK auf den siebten Rang (!) gesprungen ist und den gesicherten Klassenerhalt ausgiebig mit seinen Fans feierte, die sich über die komplette Osttribüne bis hin zur Südtribüne abklatschen ließen, kann ja vielleicht sogar mal den besseren Tag erwischt haben. Allerdings hatte man erneut das Gefühl, dass die Roten Teufel nicht im Stande waren, sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zur Wehr zu setzen.

Eine Erkenntnis, die zwei Spieltage vor Schluss und mit einem womöglich noch einmal spannend werdenden Abstiegskampf vor Augen ziemlich schmerzt. Die Chance, einen großen Sprung nach vorne zu machen und vor allem die letzten Zweifel am Klassenerhalt auszuräumen, war da. So bleiben die Zweifel bestehen, darüber konnten auch Heubachs Alu-Treffer und Gaus’ spätes 1:2 nicht hinwegtäuschen.

 
31. Spieltag Karlsruher SC 1 - 3 FCK Spielbericht
So geil kann Abstiegskampf sein

So geil kann Abstiegskampf sein

 

30.04.2017 - 01:00 Uhr

Der 1. FC Kaiserslautern landet beim Karlsruher SC einen wichtigen Derbysieg. Die Fans der Roten Teufel verwandelten die Partie in ein Heimspiel – und bekamen später ein Lob von Norbert Meier.

 

Schlecht gespielt und trotzdem gewonnen: So in etwa verlief der Samstagnachmittag des FCK im Karlsruher Wildparkstadion. Erneut konnten die Roten Teufel nicht komplett überzeugen, fuhren aber wie schon am vergangenen Spieltag einen enorm wichtigen Dreier ein - und schossen den Südwest-Rivalen aus Karlsruhe in die 3. Liga. So gab es am Ende für Mannschaft und Fans viel zu feiern.

Knapp 5.000 Lautrer hatten den Weg in die badische Fächerstadt gefunden und ihre Mannschaft angefeuert. Vor dem Spieltag waren Gerüchte im Umlauf, wonach die Karlsruher Fanszene einen Stimmungsboykott geplant habe. Und tatsächlich: Das ohnehin trostlose Bild, dass das Wildparkstadion mit gerade einmal 18.037 Zuschauern abgab, wurde durch das Schweigen des KSC-Anhangs nur noch trister.

Für die FCK-Fans allerdings kein Problem: Weil keine rechte Derbystimmung, zu der ja nunmal auch die Gegenseite gehört, aufkommen wollte, wurde die Partie kurzerhand zum Heimspiel erklärt. Wechselgesänge, Klatsch- und Hüpfeinlagen, Anfeuerungen und Lieder: Der Pfälzer Anhang präsentierte sein Können – und durfte früh jubeln.

KSC-Fans werden nur bei Stuttgarts Gegentoren laut

Gerade einmal vier Minuten waren gespielt, als Kacper Przybylko auf Vorarbeit von Marcel Gaus das 1:0 erzielte. Es sah alles nach einer klaren Angelegenheit aus und bei fast jedem, der es mit den Rot-Weißen hielt, war die Hoffnung auf einen endlich mal entspannten Spieltag spürbar.

Auf der Gegenseite machte sich derweil Resignation breit: Der Abstieg war zu diesem Zeitpunkt endgültig besiegelt und Stimmung wollte so erst recht nicht aufkommen. Wie paradox die Situation war, zeigte sich wenig später, als auf der Leinwand das Zwischenergebnis des Stuttgarters Spiels in Nürnberg eingeblendet wurde: Wirklich laut wurde es beim KSC-Publikum nur bei den zwei Toren des Club gegen den Erzrivalen aus der Landeshauptstadt.

Mit dem fränkisch-schwäbischen Duell befassten sich die Lautrer Fans freilich nicht. Auch weil die eigene Mannschaft längst den Faden verloren hatte und den KSC mit der Zeit ins Spiel kommen ließ. Eine merkwürdige Passivität ging von der Meier-Elf aus, Schönspielerei statt Konzentration war plötzlich zu sehen, und die breite Anfeuerung der mitgereisten Schlachtenbummler erstarb zusehends. Einzig gewonnene Zweikämpfe wurden noch lautstark gefeiert. Doch als der KSC eine Viertelstunde vor dem Halbzeitpfiff gleich drei Großchancen hatte und wenig später sogar den Ausgleich erzielte, machte sich eine bleierne Schwere im Gästeblock breit, die nur kurzzeitig mit einem trotzigen "Auf geht's Lautern, schieß ein Tor" unterbrochen wurde.

Weckruf der FCK-Fans: "Wir wollen euch kämpfen sehen"

Wie schon in der Vorwoche wanderten die Gedanken und Blicke zur Blitztabelle: Bielefeld führte, die Ausgangslage war damit nicht eben einfacher. Und weil auch die Mannschaft nach dem Seitenwechsel schwach spielte, hatte der Gästeblock nach wenigen Minuten endgültig die Schnauze voll. "Wir wollen euch kämpfen sehen" brüllten die Lautrer Fans - und setzten damit ein wichtiges Signal: "Sie haben die Mannschaft gut unterstützt und als es nötig war gutes Gespür bewiesen", lobte Norbert Meier.

Der Appell von den Rängen zeigte Wirkung. Denn Schritt für Schritt gewann Lautern wieder die Oberhand. Marcel Gaus fasste sich schließlich ein Herz, marschierte energisch in Richtung der Karlsruher Tores (Meier: "Er macht in solchen Situationen genau das Richtige") und holte einen Strafstoß heraus. Tosender Jubel im Gästeblock, der aber schnell in einen Mix aus Hoffnung und Sorge umschlug. Zweimal schon hatten die Roten Teufel schließlich einen Elfmeter verschossen - und auch diesmal scheiterte Sebastian Kerk an KSC-Keeper Dirk Orlishausen.

Hämischer Jubel auf Seiten des KSC-Anhangs, der aber nur Sekundenbruchteile später jäh erstarb. Kerk hatte nämlich den Abpraller ins Tor geschoben und sprang jubelnd über die Werbebande vor die abgeriegelte Gästekurve. Das Wildparkstadion erzitterte durch den tausendfachen Torschrei der Pfälzer, die sich nun - ähnlich wie in der Vorwoche - auf eine spannende Schlussphase einstellten.

Derbyniederlage, Abstieg, Stuttgarts Tor: Nichts zu feiern in Baden

Doch der FCK verteidigte diesmal nicht nur mit Geschick, sondern machte - endlich - mal den Sack zu: Jacques Zoua erzielte das 3:1! Jubel, Party, Derbysieg! So geil kann Abstiegskampf sein. Und die Stimmung steigerte sich sogar: Denn kurz vor dem Schlusspfiff wurde Fürths Ausgleich in Bielefeld eingeblendet - und, als ob der Fußballgott Karlsruhe auch wirklich grundsätzlich abstrafen wollte, der Stuttgarter 3:2-Siegtreffer. Nichts zu feiern in Baden - dafür umso mehr in der Pfalz.

Nach dem Schlusspfiff wurde der Gegner mit ein paar hämischen Plakaten und einem lauten "Schönen Gruß und auf Wiedersehen" inklusive weißer Taschentücher verabschiedet, ehe mit den eigenen Spielern abgeklatscht und der Sieg ganz besonders ausgiebig gefeiert wurde. Wie sagte Robin Koch? "Es ist schön, das Derby zu gewinnen!" - Stimmt!

 
30. Spieltag FCK 1 - 0 1860 München Spielbericht
Ein Dreckstor bringt die Erlösung

Ein Dreckstor bringt die Erlösung

 

22.04.2017 - 13:20 Uhr

Der 1. FC Kaiserslautern hat gegen 1860 München einen dreckigen Sieg eingefahren und drei ganz wichtige Punkte gesammelt. Das passende Fazit des Abends lieferte Norbert Meier.

 

Fußball ist ein Fehlerspiel, vor allem dann, wenn man im Abstiegskampf steckt. Sowohl der FCK als auch die Münchner Löwen hatten den Gegner am Freitagabend im Fritz-Walter-Stadion mehrfach durch Patzer, Fehlpässe und Unzulänglichkeiten zu Torchancen eingeladen. Am Ende gingen die Roten Teufel siegreich aus dem Abstiegsduell hervor – nach einem selten dreckigen Siegtor, dessen Zustandekommen am Ende jedoch keinen interessierte.

Mal wieder herrschte auf dem Betze so etwas wie Frühlingsatmosphäre: Die Sonne stand tief und tauschte das Fritz-Walter-Stadion in eine glühende Burg, die Temperaturen waren angenehm und auch auf den Rängen sorgten 27.906 Zuschauer für einen angemessenen Rahmen – die höchste Zuschauerzahl seit November 2016.

Als die Besucherzahl verkündet und auf den Leinwänden eingeblendet wurde, ging ein Raunen durch das Publikum: Die Mobilisierung in den vergangenen Tagen hatte also doch Früchte getragen, kurzfristig waren noch fast 7.000 Tageskarten verkauft worden. Auch der ausgerufene Fahnentag sorgte für ein optisches Highlight in der Westkurve, von deren unterem Rand nach oben und in die äußeren Blöcke ein stimmungsvolles Epizentrum den Takt vorgab. Direkt hinter'm Tor wurde das Motto des Endspurts geflaggt: "1. FC Kaiserslautern – Unzerstörbar".

"Die Fans haben verstanden, worum es geht"

Einmal mehr hob FCK-Trainer Norbert Meier hervor: "Wir müssen natürlich unser Publikum loben, das war wieder alte Betzenberg-Atmosphäre. Die Region hat verstanden, um was es geht."

Die Unterstützung von den Rängen war von den ersten Minuten an top, das Fußballspiel auf dem Rasen dagegen weniger. Es war eine nervöse erste Hälfte auf beiden Seiten. Fehlpässe reihten sich aneinander, immer wieder schlug das Pendel in die eine oder andere Richtung aus – doch einen Fehler des Gegners nutzen konnten zunächst weder die Lautrer noch die Löwen.

Der FCK hatte zwar in der Anfangsphase die gefährlicheren Tormöglichkeiten, doch mit der Zeit übernahm 1860 München immer mehr das Kommando, drängte Lautern tief in die eigene Hälfte und suchte zielstrebiger den Weg zum Tor. Dort tauchten die Gäste aber vorerst nur nach Standards auf.

Weil der FCK Kontermöglichkeiten fahrlässig liegen ließ, mündete die erste Hälfte in ziemlicher Ratlosigkeit auf Lautrer Seite. Zwar war die Unterstützung und Anfeuerung auch weiterhin vorhanden, doch die Unsicherheiten auf dem Platz übertrugen sich ein Stück weit auf die Ränge. Was, wenn das hier schiefgeht? Man mochte es sich gar nicht ausmalen.

1.700 Sechzger in Lautern

Im Gästeblock herrschte dagegen vorsichtiger Optimismus. Überhaupt verbreiteten die mitgereisten Löwen-Fans von Beginn an gute Stimmung. Versammelt hinter einer großen dunkelblauen Zaunfahne, die das Gründungsjahr zierte, trommelten, klatschten und trieben rund 1.700 Gästefans ihre Mannschaft nach vorne. Auch die Blauen hatten noch mal mobilisiert und gut ein Drittel ihrer Karten erst an der Tageskasse gekauft. Im angrenzenden Sitzplatzbereich wurden dazu ein paar weiß-blaue Ballons in die Höhe gehalten, was allerdings keine große Choreographie ergab.

Die boten stattdessen die Löwen-Profis vor dem Beginn der zweiten Hälfte und das auf ziemlich skurrile Weise: Während sich Schiedsrichter Martin Petersen und die Roten Teufel bereits auf ihren Positionen eingefunden hatten, absolvierten die Münchner in einer Reihe aufgestellt an der Seitenlinie noch ein schnelles Aufwärm- und Dehnprogramm.

Die kurzfristige Fitnesseinheit hatte allerdings wenig Einfluss auf die Torgefährlichkeit der Sechzger. Zwar war München das spielbestimmende Team, doch mit Ausnahme einiger vielversprechender Annäherungen und einem guten Kopfball blieben die ganz großen Möglichkeiten aus. Doch auch die Gastgeber taten sich weiter schwer und aus der Unruhe und Ratlosigkeit wurde allmählich Ungeduld. Inzwischen wurde jeder Fehlpass des FCK (und davon gab es viele) auch mit einem deutlichen Raunen begleitet. Die Westkurve wogte nicht mehr, sie erstarrte ab und an.

Die Erlösung durch ein Eigentor

Der Spielverlauf, aber auch die Stimmung stand auf des Messers Schneide – und dann folgte die Erlösung. Phillipp Mwene wurde gefoult, den Freistoß führte Daniel Halfar aus. Vor dem Tor liefen Mit- und Gegenspieler ein... und plötzlich lag die Kugel im Netz (73.). Für eine Millisekunde war es still, dann bebte Betze. Fans lagen sich in den Armen, Spieler und Betreuer jubelten auf dem Platz. Da war das Ding! Ein Eigentor nach einem Standard, erzielt ausgerechnet vom gegnerischen Stürmer, ein regelrechtes Dreckstor. Völlig egal!

Was folgte, waren allerdings die längsten 20 Minuten seit gefühlten Ewigkeiten auf dem Betzenberg. Denn nun galt es, den Vorsprung zu halten. Die Roten Teufel hielten mit aller Macht dagegen und bekamen bisweilen ohrenbetäubenden Support von den Rängen. Wechselgesänge, Anfeuerungsrufe, Hüpfen, Klatschen, Pfeifen, Brüllen – alles für den Klassenerhalt.

Norbert Meier wechselte noch einmal, brachte Robert Glatzel, der den Ball vorne im Zentrum einige Male festmachte und so wertvolle Zeit von der Uhr nahm, allerdings auch das erlösende 2:0 liegenließ. Die Uhr tickte wie in Zeitlupe, noch einmal ein Münchner Angriff, ein letzter Eckball – und dann war's vorbei.

Meier findet die richtigen Worte

Selten wurde in den vergangenen Monaten ein Schlusspfiff wohl so gefeiert wie an diesem Abend. Die kollektive Anspannung wich einer puren Erleichterung. Die Mannschaft drehte nach einigen Sekunden Durchatmen ihre Ehrenrunde und wurde vor der Westkurve mit tosendem Applaus gefeiert. Dort gab man auch gleich mit Blick auf das anstehende Südwest-Derby die Zielsetzung vor: "Karlsruh', Karlsruh', wir…"

Der abgefallene Druck war förmlich mit Händen greifbar. Was für ein wichtiger Sieg! Verdient, unverdient? Gibt es das eigentlich im Abstiegskampf? Am Betze sowieso nicht: Verdient ist, wenn der FCK gewinnt. Anders sah das natürlich 1860-Coach Vitor Perreira, der sich äußerst enttäuscht zeigte, sogar ein Remis als ungerecht bezeichnet hätte und darüber hinaus vergaß, dem Gegner zu gratulieren. Eigentlich ein ungeschriebenes Gesetz. "Wir gehen ohne Punkte hier raus, aber so ist Fußball. Ich kann meine Mannschaft nur zu einem guten Spiel beglückwünschen", sagte der Portugiese.

"Ich beglückwünsche meine Mannschaft auch – zu den drei Punkten", erwiderte Meier süffisant und fasste dann den gesamten Abend, die komplette Situation ungeachtet von Spielverlauf und Statistiken treffend zusammen: "Ich sage Ihnen eines: Mir ist es heute scheißegal, wer hier die bessere Mannschaft war. Wir haben die drei Punkte hier."

 
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