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13. Spieltag FCK 0 - 0 VfL Bochum Spielbericht
Zu wenig

Zu wenig

 

04.11.2017 - 15:20 Uhr

Null zu Null gegen schwache Bochumer. Der FCK hat trotz Leistungssteigerung das nächste selbst ausgerufene "Schicksalsspiel" vergeigt - ein Ergebnis, das DBB-Autor Dominic Bold langsam aber sicher die Hoffnung verlieren lässt.

 

Die Hoffnung soll ja angeblich zuletzt sterben. Aber wie soll es aussehen, wenn nach ihrem Tod noch 21 Spieltage zu absolvieren sind? Nach dem 0:0 gegen den VfL Bochum tendiert die Wahrscheinlichkeit, dass der 1. FC Kaiserslautern in dieser Saison irgendwie noch einmal die Kurve kriegt, gegen Null. Gerade weil - mit Ausnahme des eingewechselten Gervane Kastaneer - keinem der nötige Wille und Einsatz abzusprechen waren, ist das Ergebnis nicht nur im statistischen Sinn zu wenig.

Vor allem zu wenig Mut und zu wenig Fußball. Bei aller Demut, die der eigene Tabellenplatz gebietet, muss man die ebenfalls ersatzgeschwächten Bochumer in der Form von Freitagabend einfach schlagen, wenn man sich aus der eigenen misslichen Lage befreien will. Denn dieser VfL schaffte es, die Lautrer Harmlosigkeit zu übertreffen. Wer sich gegen einen derart biederen Gegner zu Hause erst einmal in der eigenen Hälfte einigelt, der wird schwerlich ein Tor schießen. Schon gar nicht, wenn der eigene Spielaufbau mal einfalls- und mal hilflos daher kommt.

Als die Mannschaft mutiger spielt, wird es prompt gefährlich

Erst als die Mannschaft nach einer Viertelstunde die gegnerische Hälfte als potentielles Betätigungsfeld entdeckte, wurde es prompt gefährlich. Ein Distanzschuss von Brandon Borrello (16.) eröffnete die einzige Phase des Spiels, in der man das Gefühl hatte, der FCK könnte den dringend benötigten Sieg feiern. Für kurze Zeit gelang es tatsächlich, die Bochumer unter Druck zu setzen, Ecken zu erarbeiten und sogar mit einfachen spielerischen Mitteln Chancen heraus zu spielen. Doch was dabei heraus sprang war wieder einmal: zu wenig. Die Art und Weise, wie Manni Osei Kwadwo versuchte, einen Ball aufs Tor zu köpfen, war einfach nur kläglich und als Joel Abu Hanna es zwar besser machte, aber an VfL-Keeper Riemann scheiterte (29.), war das FCK-Pulver verschossen.

Die einzige Ausnahme blieb der Auftritt von Nicklas Shipnoski, der sich aus der Distanz ein Herz fasste, aber an der Unterkante der Latte scheiterte (58.). Das war dann tatsächlich auch einmal zu wenig Glück, aber wer in der zweiten Halbzeit nur noch eine weitere Torchance verbucht (Kopfball Sebastian Anderson/66.), darf sich darüber nicht beschweren.

Am Ende fehlen die Kraft und der Glaube

Obwohl Jeff Strasser für die verletzten Abu Hanna und Benjamin Kessel mit Shipnoski und Torben Müsel jeweils offensiv wechselte, fiel die erhoffte Schlussoffensive aus. Das lag unter anderem daran, dass man nach der Hereinnahme des völlig indisponierten Kastaneer faktisch mit zehn Mann spielte und auch die schwedische Sturmhoffnung Andersson von seinem Einzelkämpferdasein in der Spitze in Kopf und Beinen zu zermürbt war, um seinen eigentlichen Job zu machen. Nicht nur ihm fehlte am Ende neben der Kraft auch der Glaube, dass dieser eine gottverdammte Ball doch irgendwie noch reingehen wird.

Dementsprechend gleichmütig nahm das Gros der Fans den Schlusspfiff hin, Pfiffe gab es nur aus der Westkurve, die bis dahin wacker versuchte die Mannschaft zu unterstützen. Sie hat wohl, wie in ihrem offenen Brief angekündigt, alles gegeben. Aber wenn das alles ist, dann ist dies am Ende schlichtweg zu wenig.

 
12. Spieltag Jahn Regensburg 3 - 1 FCK Spielbericht
Einmal Wunder, bitte

Einmal Wunder, bitte

 

28.10.2017 - 21:00 Uhr

Der 1. FC Kaiserslautern verliert auch das nächste Kellerduell beim SSV Jahn Regensburg und steckt weiter ganz tief in der Krise. Zwischen Wut, Frust, Resignation und Sarkasmus stellt sich eine Frage: Sind die Roten Teufel noch zu retten?

 

Wer die 90 Minuten in Regensburg zugrunde legt, kann eigentlich nur zu einem Schluss kommen: "Nein!" Der FCK dümpelt durch die 2. Bundesliga und bot auch im Gastspiel beim SSV Jahn nichts an, was irgendwie Hoffnung auf Besserung im Abstiegskampf machen könnte. Alle positiven Ansätze aus dem Pokalspiel gegen Stuttgart - vergessen und dahin. Mit einer indiskutablen Leistung ließen sich die Pfälzer von einem Aufsteiger abschießen, der bis dahin nur ein Heimspiel gewonnen hatte, in dreifacher Überzahl gegen Braunschweig.

Es war schon denkbar schlecht losgegangen: Nach zwei vergebenen Chancen für Regensburg nutzte Sebastian Stolze die dritte und schoss die Gastgeber in Führung (10). Keine zehn Minuten waren gespielt, keine zehn Minuten hatte es gedauert, um die zuvor hoffnungsfrohen, knapp 1.500 mitgereisten FCK-Fans konsterniert dreinblicken zu lassen.

Hunderte Kilometer quer durch die Republik

Der Anhang, womöglich der einzige und letzte Trumpf des Fritz-Walter-Klubs, bewies einmal mehr, wie leidensfähig, aber auch zugleich wie kampfeslustig das Umfeld des FCK ist. Trotz katastrophaler Bilanz, jahrelanger Tristesse und Existenzsorgen hatten die Lautrer Fans ihren Verein wie jedes zweite Wochenende hunderte Kilometer durch die Republik begleitet. Zum Einlaufen der Mannschaft präsentierte der Stehplatz-Bereich eine rot-weiße Doppelhalter-Choreo und sorgte danach einige Minuten für echt gute Stimmung.

Die Mannschaft tat auf dem Feld genau genommen nichts, um die Atmosphäre anzuheizen oder gar davon zu profitieren. Nach Stolzes frühem Treffer sorgte zwar Christoph Moritz mit einem gelupften Elfmeter für den Ausgleich (14.), doch im Anschluss übergaben die Roten Teufel das Zepter wieder an die ebenfalls verunsicherten Gastgeber, die aber immerhin im Laufe der Partie - dank Einsatz und Wille - Mut gewannen.

Es war schließlich ein perfekter Freistoß, der den Betze erneut zurück und damit auch alle zaghaften Hoffnungen auf eine Trendwende endgültig über den Haufen warf: 2:1 für Regensburg (33.). "Ein Freistoß und bei uns fällt alles in sich zusammen", beschrieb Innenverteidiger Patrick Ziegler den Moment nach etwas mehr als einer halben Stunde. Der FCK hätte sich danach auch schon auf die neben dem schmucken neuen Jahn-Stadion gelegene A3 begeben und die Heimfahrt antreten können. Denn zu sehen war von der Strasser-Elf nichts mehr.

Der Jahn spielte für seine Fans - und der FCK?

Dem Abstiegskonkurrenten Regensburg, der aggressiv verteidigte, hochstand, anlief und den FCK zu Fehlern zwang, spielte das in die Karten. Kaum zu glauben, dass Regensburg ebenfalls unter der Woche ein Pokalspiel bestritten und dies gegen Heidenheim mit 2:5 verloren hatte. Entscheidend war jedoch die Mentalität, wie SSV-Coach Achim Beierlorzer nach dem Spiel zurecht hervorhob: Seine Mannschaft habe den Regensburger Fans für deren Support etwas zurückgegeben wollen - für FCK-Anhänger dürfte dieser Satz mehr als bitter klingen. Der Jahn spielte für seine Fans, die FCK-Profis irgendwie für sich selbst. Entsprechend laut waren die Unmutsbekundungen am Gästeblock.

Rückschläge? Wie viele werden davon noch kommen? Ist der Abstieg überhaupt noch abzuwenden? Wer die Leistung der ersten zwölf Spieltage mit nur einem Sieg als Maßstab nimmt, muss fast zu einer klaren Erkenntnis kommen: Dieser Mannschaft hilft nur noch ein mittelschweres Wunder. Das bewies einmal mehr die desolate Leistung in Regensburg.

 
11. Spieltag FCK 0 - 1 MSV Duisburg Spielbericht
Der Rückschlag

Der Rückschlag

 

22.10.2017 - 23:10 Uhr

Ausgerechnet im "Sechs-Punkte-Spiel" gegen Duisburg muss FCK-Trainer Strasser den ersten Rückschlag in seiner Amtszeit hinnehmen. Nach der Heimniederlage gegen den Aufsteiger versacken die Roten Teufel auf dem letzten Tabellenplatz.

 

Ein Hauch von Optimismus wehte vor dem Anpfiff über den Betzenberg: Dank "Jeff-Effekt" - vier Punkte aus zwei Spielen wurden als Aufwärtstrend bewertet - kamen 22.833 Zuschauer zum Heimspiel des 1. FC Kaiserslautern gegen den MSV Duisburg. Das waren immerhin rund 3.000 mehr als zuletzt, von denen aber viele schon vor dem Anpfiff enttäuscht wurden: An der Westkurve gab es wieder Probleme mit den Drehkreuzen, viele Tageskarten wurden von dem neuen System nicht angenommen und an den Eingängen bildeten sich lange Schlangen.

Sichtbare Nervosität bei den Roten Teufeln

Jeff Strasser setzte zum dritten Mal in Folge auf die gleiche Startformation und wollte mit einem Heimsieg den Schritt von den Abstiegsplätzen machen. Doch von seiner Mannschaft kam nach zwei ordentlichen Auftritten gegen Fürth und St. Pauli: Nichts. Wenig Elan, kaum Torgelegenheiten, stattdessen sichtbare Nervosität bei den Roten Teufeln. Der Tabellen-15. aus Duisburg hatte von Anfang an mehr vom Spiel und hätte schon in der ersten Halbzeit verdient in Führung gehen können: Marius Müller verursachte einen Elfmeter gegen Cauly Oliveira Souza, den MSV-Routinier Moritz Stoppelkamp jedoch über das Tor hämmerte (38.). Dies hätte eigentlich der Moment sein können, wo ein Ruck durch die FCK-Mannschaft geht - aber Fehlanzeige.

Auf den Rängen war zu diesem Zeitpunkt schon Tristesse angesagt, aus der Westkurve kamen bei nasskalter Witterung nur noch vereinzelte Anfeuerungsversuche. Auch in der zweiten Halbzeit fand der FCK kein Konzept für das Spiel nach vorne, während die Gäste mehr und mehr gefährlich wurden. In der 67. Minute erzielte schließlich Dustin Bomheuer das 0:1 - nach einem Eckball, einer Standardsituation also, was eigentlich der Plan des Strasser-Teams gewesen sein sollte. Erst jetzt kam ein kleines Aufbäumen der Roten Teufel, es gab Bewegung nach vorne, Rudelbildungen, aber weiterhin keine zwingenden Aktionen.

Strasser: "Die Köpfe müssen oben bleiben"

"Heute ist das erste Spiel, wo ich kein Lachen im Gesicht habe. Aber trotzdem müssen die Köpfe oben bleiben", versuchte sich Jeff Strasser nach dem Schlusspfiff an seiner ersten Durchhalteparole als FCK-Trainer. Tatsächlich war die Niederlage gegen Duisburg verdient: 10:13 Torschüsse, 5:6 Eckbälle, weniger Ballbesitz und gewonnene Zweikämpfe, schlechte Passquote - ein Armutszeugnis. Strasser versuchte den Blick schnell nach vorne zu richten: "Wir haben jetzt zwei wichtige Spiele, wobei das gegen Regensburg sicher eine andere Priorität hat wie das [Pokalspiel] gegen Stuttgart."

Während die rund 1.500 mitgereisten MSV-Fans ihre Auswärtshelden feierten, wurden der Trainer und seine bedröppelte Truppe von den verbliebenen Fans in der Westkurve mit aufmunterndem Applaus verabschiedet. Die meisten Zuschauer hatten zu diesem Zeitpunkt jedoch das Fritz-Walter-Stadion schon verlassen.

 
10. Spieltag FC St. Pauli 1 - 1 FCK Spielbericht

"Immer und überall"

 

14.10.2017 - 15:45 Uhr

Das Spiel konnten die Roten Teufel nicht komplett drehen, aber am Ende endlich den ersten Auswärtspunkt der Saison am Millerntor einfahren. Bei Flutlicht gegen Sankt Pauli setzte der 1. FC Kaiserslautern am Freitagabend den positiven Trend fort. Für die 2.000 Fans im Gästeblock gab es einen Motto-Schal und reichlich Zuversicht, findet DBB-Autor Toco.

 

Neben dem Millerntor-Stadion des FC St. Pauli befindet sich die Rindermarkthalle und der ehemalige Schlachthof. Noch vor wenigen Wochen fühlte sich die bevorstehende Auswärtsfahrt nach Hamburg für FCK-Fans wie der Weg zur Schlachtbank an. Im Abstiegsstrudel und ohne Perspektive rettete und rechtfertigte allein der Gedanken an das üppige Angebot der Hansestadt den Wochenendausflug in den Norden. Sonst gab es ja nichts zu holen. Und dann, zwei Trainerwechsel und Wochen später, fanden sich etwa 2.000 Fans auf einer wilden Vergnügungsfahrt wieder.

Strassers Mannen halten den Gegner vom Tor fern

"Immer und überall" steht auf den Schals, die der 1. FC Kaiserslautern vor dem Gästeblock als Dankeschön schon vor Anpfiff an die mitgereisten Fans verteilt hatte. Während der Pfälzer Anhang diesen Spruch schon immer verinnerlicht und oft vorgelebt hat, beginnt nun auch die Mannschaft das Motto mit Leben zu füllen. Coach Jeff Strasser vertraute nach zwei intensiven Trainingswochen der Startelf des letzten Ligaspiels und durch diszipliniertes Auftreten und geschicktes Verschieben hielt sie den Gegner vom eigenen Tor oft weit weg.

Von Minute zu Minute fanden die Roten Teufel eine längst verloren geglaubte Sicherheit wieder. Endlich bügelten die aufmerksamen Mitspieler auch mal kleine Fehler der Mitspieler aus, feuerten sich gegenseitig an. Nur der Zug zum gegnerischen Tor fehlte noch, was aber auch von der geordneten Defensive von St. Pauli erfolgreich unterbunden wurde. Zur Halbzeitpause zeigte die Statistik gerade mal 2:2 Torschüsse. Doch trotz der fehlenden Szenen in den Strafräumen kam keine Langeweile auf. Wie der Anhang auf den Rängen sich um Stimmhoheit duellierte, kämpften die bis dahin auswärts harmlosen Roten Teufel gegen die heimschwachen Kiezkicker auf Augenhöhe um die drei Punkte. Dabei mischte sich auch die Offensiv-Abteilung in die Defensive ein und umgekehrt.

Ausgleich durch Andersson: Der Gästeblock wusste es schon vorher

Mit den Erfahrungen aus dem letzten Heimspiel schickten die Lautrer ihr Team mit Applaus in die wohlverdiente Pause. Nach Anpfiff zur zweiten Halbzeit agierten die Hamburger jedoch etwas aggressiver und drängten den FCK immer weiter in die Defensive. Als Schiedsrichter Sascha Stegemann eine elfmeterwürdige Klärung der Roten Teufel adäquat ahnden wollte, landete der Ball in der 63. Minute bei Sami Allagui, der St. Pauli die verdiente Führung brachte. Wo vor wenigen Wochen dann Auflösungserscheinungen auftraten, veränderte sich die Körpersprache der Pfälzer sehr zum Gefallen der Fans im Gästeblock. Die Mannschaft spielte konzentriert weiter und arbeitete an Ausgleichsmöglichkeiten, musste sich bis dahin aber reichlichem Druck der nun befreit aufspielenden Hamburger erwehren.

Als in der 77. Minute Joel Abu Hanna den Ball per Ecke in den Strafraum hob, war Sebastian Andersson zur Stelle und köpfte zum 1:1 ein. Im Gästeblock ahnte es der Anhang schon vor der Ecke, für den Rest des mit 29.546 ausverkauften Millerntor-Stadions kam der Ausgleich etwas überraschend. Beide Mannschaften versuchten in den verbleibenden Minuten das Spiel noch zu ihren Gunsten zu drehen, die zwingende Chance hierzu blieb allerdings aus.

Am Ende klatscht eine ausgepowerte Mannschaft ab

Mit dem Schlusspfiff fiel die Anspannung von den Roten Teufel ab und erschöpft landete die Mannschaft rücklings auf den Rasen. Mit 118,33 km war der FCK den ebenfalls entkräfteten Hamburgern mehr als drei Kilometer enteilt. Der Abstand in der Tabelle bleibt dennoch derselbe. Nach kurzer Verschnaufpause schickte das Trainerteam, das sich schön im Hintergrund hielt, die Spieler Richtung Gästeblock, wo sie sich geordnet in Reih und Glied den verdienten Applaus abholten. Am Ende klatschte eine ausgepowerte, aber zuversichtliche Mannschaft mit den zufriedenen Fans am Zaun ab. Damit sind die Probleme und Nöte nicht aus der Welt, aber hier wächst wieder etwas zusammen. Die ruhige Saison kann noch mit einer ruhigen Rückrunde gerettet werden. Immer und überall - und gemeinsam!

 
9. Spieltag FCK 3 - 0 SpVgg Fürth Spielbericht
Wenn die Kurve den Ball ins Tor singt

Wenn die Kurve den Ball ins Tor singt

 

30.09.2017 - 15:30 Uhr

Freudentränen auf dem Betzenberg! Der FCK hat den ersten Saisonsieg eingefahren. Aus dem Erfolg des Kollektivs sind drei Protagonisten besonders hervorzuheben: Der Torschütze, der neue Trainer und die Fans.

 

Wenn Gerry Ehrmann zum Torjubel bis vor die Westkurve stürmt, dann muss etwas Besonderes passiert sein. Der 1. FC Kaiserslautern hat gegen die SpVgg Fürth endlich den ersten Sieg errungen und in gut acht Minuten das geschafft, wofür er zuvor acht Spiele gebraucht hatte - nämlich drei Tore zu erzielen. Der Held des Abends war Schweden-Stürmer Sebastian Andersson mit dem schnellsten Hattrick der Lautrer Zweitliga-Historie (71., 74., 80.).

Der Mann des Abends aber war Jeff Strasser, der sich auf dem Weg zu seinem persönlichen Starterfolg selbst von drei kurzfristigen Verletzungen nicht aufhalten ließ: Weil Marcel Correia, Leon Guwara und Daniel Halfar ausfielen, stellte der Trainer seine neue Mannschaft gehörig um, unter anderem kam Linksverteidiger Joel Abu Hanna zu seinem Zweitliga-Debüt. Taktisch setzte Strasser mit einer Fünfer-/Dreierkette zunächst auf eine Stabilisierung der Defensive.

Strasser lässt sich auch von kurzfristigen Verletzungen nicht schocken

19.179 Zuschauer waren ins Fritz-Walter-Stadion gekommen, die meisten davon hoffnungsvoll, aber doch noch nicht so wirklich überzeugt. Die Misserfolge der letzten Jahre inklusive der vielen Trainerwechsel haben tiefe Spuren hinterlassen. Dennoch lassen die Fans nicht unterkriegen, geben unter Organisation der "Generation Luzifer" mit tausenden Schals und einem großen Banner ein klares Statement ab: "Westkurve - unverzichtbar". Später folgt noch eine Kritik an der Vereinsführung, die bei den Fanbeauftragten eine Arbeitsstelle gekürzt hat und fast zeitgleich die Durchführung von Choreographien erschwert: "Wem Repression über Fanarbeit geht, der beweist, dass er diesen Verein nicht versteht!"

Auf dem Rasen passiert beim Duell des Letzten gegen den Vorletzten zunächst nicht viel. Beinahe hätte Ex-FCK-Stürmer Philipp Hofmann das 0:1 erzielt, weil Keeper Marius Müller wegrutscht, auf der anderen Seite scheiterte Sebastian Andersson mit seinen ersten Versuchen. Strassers Plan, erstmal kompakt zu stehen und die Defensive zu stabilisieren, ging auf. Mancher Zuschauer war auch schon froh, dass es nach einer Viertelstunde noch 0:0 stand und nicht wie zuvor in Berlin schon 0:2. Aber schon jetzt war zu sehen, dass eine "andere" Mannschaft auf dem Platz stand: Gino Fechner wühlte sich fast in Bruno-Labbadia-Manier - hinfallen und wieder aufstehen - durch, Debütant Abu Hanna grätschte sich durch die linke Seite, Phillipp Mwene rackerte und Manni Osei Kwadwo dribbelte auf rechts. Die medizinische Abteilung hatte vor, während und nach dem Spiel viel zu tun, um die Wehwehchen der aufopferungsvoll kämpfenden Teufel zu flicken.

"Mein Leben hab ich Dir vermacht - Jeden Tag und jede Nacht!"

Dann kam die zweite Halbzeit und es passierte etwas besonderes: Die Westkurve begann zu singen. Erst nur die Ultras, dann immer mehr Fans, später fast die ganze Tribüne. "Forza FCK - Rot-weiß-rot olé - Mein Leben hab ich Dir vermacht - Jeden Tag und jede Nacht!" Was gerne als Singsang abgekanzelt wird, wenn nur 200 Ultras unten am Zaun mitmachen, wurde zum Oldschool-Gefühl wie in den 1990er Jahren, als es häufiger hieß: Wenn die Mannschaft es nicht alleine schafft, dann singen wir den Ball eben zusammen ins Tor. Und als dann auch noch die spärlich besetzten Tribünen mit rhythmischem Klatschen einstiegen, war es bald soweit...

Sebastian Andersson! Auf Vorbereitung von Phillipp Mwene (71.), von Manfred Osei Kwadwo (74.) und von Gino Fechner (80.) ließ der Schwede innerhalb weniger Minuten den Betze beben. 19.000 Zuschauer machten jetzt Krach für 40.000. Gerry Ehrmann stürmte in die Jubeltraube und konnte sich selbst auf dem Rückweg zur Bank noch kaum einkriegen. Wer nicht dabei war, wird es nicht verstehen können, aber nicht nur in der Westkurve standen vielen Fans die Freudentränen in den Augen. Was für ein geiles Gefühl! Die Zuschauer feierten überschwänglich: "Ooooh, wie ist das schön!"

Jeff Strasser, der neue Dirigent vom Betzenberg

Besonders hervorzuheben bleibt noch, wie Jeff Strasser den gesamten Heimsieg dirigierte. Während des Spiels coachte er sein Team, wie schon lange kein FCK-Trainer mehr. Nach jedem Tor rüttelte er seine Spieler sofort wach: "Aufmerksam bleiben, weiter machen!" Dass eine neue Ära der Kommunikation angebrochen ist, sah jeder aufmerksame Beobachter. Torschütze Andersson bekam bei seiner Auswechslung viele warme Worte ab, aber auch ein Tribünenhocker wie Lukas Spalvis war nach dem Abpfiff einer der ersten Gesprächsempfänger des Trainers. Als das Spiel abgeschlossen war, dirigierte Strasser sein Team erst in den neuen Mannschaftskreis, dann vor die Westkurve und auch an alle weiteren Tribünen.

"Die Spieler waren sehr fokussiert, der Ausdruck in ihren Augen hat sich in den letzten Tagen schon geändert", resümierte der glücklich und besonnen zugleich wirkende Strasser nach dem Spiel. Dem dreifachen Torschützen Sebastian Andersson habe man erstmals taktische Anweisungen auf englisch anstatt auf deutsch mitgegeben, gab der Luxemburger noch einen kleinen Seitenhieb gegen Ex-Trainer Norbert Meier ab. In der Länderspielpause will Strasser nun an taktischen Feinheiten tüfteln, das beste Spielsystem für seine neue Mannschaft herausfiltern.

Bei den Fans bleibt derweil die pure Freude darüber, das der FCK den Vorletzten Fürth besiegt und damit selbst den letzten Tabellenplatz verlassen konnte. Nüchtern betrachtet ist das natürlich völlig übertrieben. Aber na und? Jeder treue FCK-Fan hat es sich so was von verdient, jetzt einfach mal ein schönes Wochenende zu haben!

 
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