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31. Spieltag Karlsruher SC 1 - 3 FCK Spielbericht
So geil kann Abstiegskampf sein

So geil kann Abstiegskampf sein

 

30.04.2017 - 01:00 Uhr

Der 1. FC Kaiserslautern landet beim Karlsruher SC einen wichtigen Derbysieg. Die Fans der Roten Teufel verwandelten die Partie in ein Heimspiel – und bekamen später ein Lob von Norbert Meier.

 

Schlecht gespielt und trotzdem gewonnen: So in etwa verlief der Samstagnachmittag des FCK im Karlsruher Wildparkstadion. Erneut konnten die Roten Teufel nicht komplett überzeugen, fuhren aber wie schon am vergangenen Spieltag einen enorm wichtigen Dreier ein - und schossen den Südwest-Rivalen aus Karlsruhe in die 3. Liga. So gab es am Ende für Mannschaft und Fans viel zu feiern.

Knapp 5.000 Lautrer hatten den Weg in die badische Fächerstadt gefunden und ihre Mannschaft angefeuert. Vor dem Spieltag waren Gerüchte im Umlauf, wonach die Karlsruher Fanszene einen Stimmungsboykott geplant habe. Und tatsächlich: Das ohnehin trostlose Bild, dass das Wildparkstadion mit gerade einmal 18.037 Zuschauern abgab, wurde durch das Schweigen des KSC-Anhangs nur noch trister.

Für die FCK-Fans allerdings kein Problem: Weil keine rechte Derbystimmung, zu der ja nunmal auch die Gegenseite gehört, aufkommen wollte, wurde die Partie kurzerhand zum Heimspiel erklärt. Wechselgesänge, Klatsch- und Hüpfeinlagen, Anfeuerungen und Lieder: Der Pfälzer Anhang präsentierte sein Können – und durfte früh jubeln.

KSC-Fans werden nur bei Stuttgarts Gegentoren laut

Gerade einmal vier Minuten waren gespielt, als Kacper Przybylko auf Vorarbeit von Marcel Gaus das 1:0 erzielte. Es sah alles nach einer klaren Angelegenheit aus und bei fast jedem, der es mit den Rot-Weißen hielt, war die Hoffnung auf einen endlich mal entspannten Spieltag spürbar.

Auf der Gegenseite machte sich derweil Resignation breit: Der Abstieg war zu diesem Zeitpunkt endgültig besiegelt und Stimmung wollte so erst recht nicht aufkommen. Wie paradox die Situation war, zeigte sich wenig später, als auf der Leinwand das Zwischenergebnis des Stuttgarters Spiels in Nürnberg eingeblendet wurde: Wirklich laut wurde es beim KSC-Publikum nur bei den zwei Toren des Club gegen den Erzrivalen aus der Landeshauptstadt.

Mit dem fränkisch-schwäbischen Duell befassten sich die Lautrer Fans freilich nicht. Auch weil die eigene Mannschaft längst den Faden verloren hatte und den KSC mit der Zeit ins Spiel kommen ließ. Eine merkwürdige Passivität ging von der Meier-Elf aus, Schönspielerei statt Konzentration war plötzlich zu sehen, und die breite Anfeuerung der mitgereisten Schlachtenbummler erstarb zusehends. Einzig gewonnene Zweikämpfe wurden noch lautstark gefeiert. Doch als der KSC eine Viertelstunde vor dem Halbzeitpfiff gleich drei Großchancen hatte und wenig später sogar den Ausgleich erzielte, machte sich eine bleierne Schwere im Gästeblock breit, die nur kurzzeitig mit einem trotzigen "Auf geht's Lautern, schieß ein Tor" unterbrochen wurde.

Weckruf der FCK-Fans: "Wir wollen euch kämpfen sehen"

Wie schon in der Vorwoche wanderten die Gedanken und Blicke zur Blitztabelle: Bielefeld führte, die Ausgangslage war damit nicht eben einfacher. Und weil auch die Mannschaft nach dem Seitenwechsel schwach spielte, hatte der Gästeblock nach wenigen Minuten endgültig die Schnauze voll. "Wir wollen euch kämpfen sehen" brüllten die Lautrer Fans - und setzten damit ein wichtiges Signal: "Sie haben die Mannschaft gut unterstützt und als es nötig war gutes Gespür bewiesen", lobte Norbert Meier.

Der Appell von den Rängen zeigte Wirkung. Denn Schritt für Schritt gewann Lautern wieder die Oberhand. Marcel Gaus fasste sich schließlich ein Herz, marschierte energisch in Richtung der Karlsruher Tores (Meier: "Er macht in solchen Situationen genau das Richtige") und holte einen Strafstoß heraus. Tosender Jubel im Gästeblock, der aber schnell in einen Mix aus Hoffnung und Sorge umschlug. Zweimal schon hatten die Roten Teufel schließlich einen Elfmeter verschossen - und auch diesmal scheiterte Sebastian Kerk an KSC-Keeper Dirk Orlishausen.

Hämischer Jubel auf Seiten des KSC-Anhangs, der aber nur Sekundenbruchteile später jäh erstarb. Kerk hatte nämlich den Abpraller ins Tor geschoben und sprang jubelnd über die Werbebande vor die abgeriegelte Gästekurve. Das Wildparkstadion erzitterte durch den tausendfachen Torschrei der Pfälzer, die sich nun - ähnlich wie in der Vorwoche - auf eine spannende Schlussphase einstellten.

Derbyniederlage, Abstieg, Stuttgarts Tor: Nichts zu feiern in Baden

Doch der FCK verteidigte diesmal nicht nur mit Geschick, sondern machte - endlich - mal den Sack zu: Jacques Zoua erzielte das 3:1! Jubel, Party, Derbysieg! So geil kann Abstiegskampf sein. Und die Stimmung steigerte sich sogar: Denn kurz vor dem Schlusspfiff wurde Fürths Ausgleich in Bielefeld eingeblendet - und, als ob der Fußballgott Karlsruhe auch wirklich grundsätzlich abstrafen wollte, der Stuttgarter 3:2-Siegtreffer. Nichts zu feiern in Baden - dafür umso mehr in der Pfalz.

Nach dem Schlusspfiff wurde der Gegner mit ein paar hämischen Plakaten und einem lauten "Schönen Gruß und auf Wiedersehen" inklusive weißer Taschentücher verabschiedet, ehe mit den eigenen Spielern abgeklatscht und der Sieg ganz besonders ausgiebig gefeiert wurde. Wie sagte Robin Koch? "Es ist schön, das Derby zu gewinnen!" - Stimmt!

 
30. Spieltag FCK 1 - 0 1860 München Spielbericht
Ein Dreckstor bringt die Erlösung

Ein Dreckstor bringt die Erlösung

 

22.04.2017 - 13:20 Uhr

Der 1. FC Kaiserslautern hat gegen 1860 München einen dreckigen Sieg eingefahren und drei ganz wichtige Punkte gesammelt. Das passende Fazit des Abends lieferte Norbert Meier.

 

Fußball ist ein Fehlerspiel, vor allem dann, wenn man im Abstiegskampf steckt. Sowohl der FCK als auch die Münchner Löwen hatten den Gegner am Freitagabend im Fritz-Walter-Stadion mehrfach durch Patzer, Fehlpässe und Unzulänglichkeiten zu Torchancen eingeladen. Am Ende gingen die Roten Teufel siegreich aus dem Abstiegsduell hervor – nach einem selten dreckigen Siegtor, dessen Zustandekommen am Ende jedoch keinen interessierte.

Mal wieder herrschte auf dem Betze so etwas wie Frühlingsatmosphäre: Die Sonne stand tief und tauschte das Fritz-Walter-Stadion in eine glühende Burg, die Temperaturen waren angenehm und auch auf den Rängen sorgten 27.906 Zuschauer für einen angemessenen Rahmen – die höchste Zuschauerzahl seit November 2016.

Als die Besucherzahl verkündet und auf den Leinwänden eingeblendet wurde, ging ein Raunen durch das Publikum: Die Mobilisierung in den vergangenen Tagen hatte also doch Früchte getragen, kurzfristig waren noch fast 7.000 Tageskarten verkauft worden. Auch der ausgerufene Fahnentag sorgte für ein optisches Highlight in der Westkurve, von deren unterem Rand nach oben und in die äußeren Blöcke ein stimmungsvolles Epizentrum den Takt vorgab. Direkt hinter'm Tor wurde das Motto des Endspurts geflaggt: "1. FC Kaiserslautern – Unzerstörbar".

"Die Fans haben verstanden, worum es geht"

Einmal mehr hob FCK-Trainer Norbert Meier hervor: "Wir müssen natürlich unser Publikum loben, das war wieder alte Betzenberg-Atmosphäre. Die Region hat verstanden, um was es geht."

Die Unterstützung von den Rängen war von den ersten Minuten an top, das Fußballspiel auf dem Rasen dagegen weniger. Es war eine nervöse erste Hälfte auf beiden Seiten. Fehlpässe reihten sich aneinander, immer wieder schlug das Pendel in die eine oder andere Richtung aus – doch einen Fehler des Gegners nutzen konnten zunächst weder die Lautrer noch die Löwen.

Der FCK hatte zwar in der Anfangsphase die gefährlicheren Tormöglichkeiten, doch mit der Zeit übernahm 1860 München immer mehr das Kommando, drängte Lautern tief in die eigene Hälfte und suchte zielstrebiger den Weg zum Tor. Dort tauchten die Gäste aber vorerst nur nach Standards auf.

Weil der FCK Kontermöglichkeiten fahrlässig liegen ließ, mündete die erste Hälfte in ziemlicher Ratlosigkeit auf Lautrer Seite. Zwar war die Unterstützung und Anfeuerung auch weiterhin vorhanden, doch die Unsicherheiten auf dem Platz übertrugen sich ein Stück weit auf die Ränge. Was, wenn das hier schiefgeht? Man mochte es sich gar nicht ausmalen.

1.700 Sechzger in Lautern

Im Gästeblock herrschte dagegen vorsichtiger Optimismus. Überhaupt verbreiteten die mitgereisten Löwen-Fans von Beginn an gute Stimmung. Versammelt hinter einer großen dunkelblauen Zaunfahne, die das Gründungsjahr zierte, trommelten, klatschten und trieben rund 1.700 Gästefans ihre Mannschaft nach vorne. Auch die Blauen hatten noch mal mobilisiert und gut ein Drittel ihrer Karten erst an der Tageskasse gekauft. Im angrenzenden Sitzplatzbereich wurden dazu ein paar weiß-blaue Ballons in die Höhe gehalten, was allerdings keine große Choreographie ergab.

Die boten stattdessen die Löwen-Profis vor dem Beginn der zweiten Hälfte und das auf ziemlich skurrile Weise: Während sich Schiedsrichter Martin Petersen und die Roten Teufel bereits auf ihren Positionen eingefunden hatten, absolvierten die Münchner in einer Reihe aufgestellt an der Seitenlinie noch ein schnelles Aufwärm- und Dehnprogramm.

Die kurzfristige Fitnesseinheit hatte allerdings wenig Einfluss auf die Torgefährlichkeit der Sechzger. Zwar war München das spielbestimmende Team, doch mit Ausnahme einiger vielversprechender Annäherungen und einem guten Kopfball blieben die ganz großen Möglichkeiten aus. Doch auch die Gastgeber taten sich weiter schwer und aus der Unruhe und Ratlosigkeit wurde allmählich Ungeduld. Inzwischen wurde jeder Fehlpass des FCK (und davon gab es viele) auch mit einem deutlichen Raunen begleitet. Die Westkurve wogte nicht mehr, sie erstarrte ab und an.

Die Erlösung durch ein Eigentor

Der Spielverlauf, aber auch die Stimmung stand auf des Messers Schneide – und dann folgte die Erlösung. Phillipp Mwene wurde gefoult, den Freistoß führte Daniel Halfar aus. Vor dem Tor liefen Mit- und Gegenspieler ein... und plötzlich lag die Kugel im Netz (73.). Für eine Millisekunde war es still, dann bebte Betze. Fans lagen sich in den Armen, Spieler und Betreuer jubelten auf dem Platz. Da war das Ding! Ein Eigentor nach einem Standard, erzielt ausgerechnet vom gegnerischen Stürmer, ein regelrechtes Dreckstor. Völlig egal!

Was folgte, waren allerdings die längsten 20 Minuten seit gefühlten Ewigkeiten auf dem Betzenberg. Denn nun galt es, den Vorsprung zu halten. Die Roten Teufel hielten mit aller Macht dagegen und bekamen bisweilen ohrenbetäubenden Support von den Rängen. Wechselgesänge, Anfeuerungsrufe, Hüpfen, Klatschen, Pfeifen, Brüllen – alles für den Klassenerhalt.

Norbert Meier wechselte noch einmal, brachte Robert Glatzel, der den Ball vorne im Zentrum einige Male festmachte und so wertvolle Zeit von der Uhr nahm, allerdings auch das erlösende 2:0 liegenließ. Die Uhr tickte wie in Zeitlupe, noch einmal ein Münchner Angriff, ein letzter Eckball – und dann war's vorbei.

Meier findet die richtigen Worte

Selten wurde in den vergangenen Monaten ein Schlusspfiff wohl so gefeiert wie an diesem Abend. Die kollektive Anspannung wich einer puren Erleichterung. Die Mannschaft drehte nach einigen Sekunden Durchatmen ihre Ehrenrunde und wurde vor der Westkurve mit tosendem Applaus gefeiert. Dort gab man auch gleich mit Blick auf das anstehende Südwest-Derby die Zielsetzung vor: "Karlsruh', Karlsruh', wir…"

Der abgefallene Druck war förmlich mit Händen greifbar. Was für ein wichtiger Sieg! Verdient, unverdient? Gibt es das eigentlich im Abstiegskampf? Am Betze sowieso nicht: Verdient ist, wenn der FCK gewinnt. Anders sah das natürlich 1860-Coach Vitor Perreira, der sich äußerst enttäuscht zeigte, sogar ein Remis als ungerecht bezeichnet hätte und darüber hinaus vergaß, dem Gegner zu gratulieren. Eigentlich ein ungeschriebenes Gesetz. "Wir gehen ohne Punkte hier raus, aber so ist Fußball. Ich kann meine Mannschaft nur zu einem guten Spiel beglückwünschen", sagte der Portugiese.

"Ich beglückwünsche meine Mannschaft auch – zu den drei Punkten", erwiderte Meier süffisant und fasste dann den gesamten Abend, die komplette Situation ungeachtet von Spielverlauf und Statistiken treffend zusammen: "Ich sage Ihnen eines: Mir ist es heute scheißegal, wer hier die bessere Mannschaft war. Wir haben die drei Punkte hier."

 
29. Spieltag Union Berlin 3 - 1 FCK Spielbericht
Mythos in Vorbereitung

Mythos in Vorbereitung

 

16.04.2017 - 00:30 Uhr

17 Minuten Glückseligkeit, fast schon Erleichterung. Mehr war den 1.800 FCK-Fans an der Alten Försterei nicht vergönnt. Doch trotz großer Enttäuschung rückten die Roten Teufel und ihre Anhänger in Berlin weiter zusammen.

 

Aufstiegsambitionen gegen Abstiegssorgen. Die Rollen dieses Duells waren in den vergangenen Jahren klar verteilt. Hier die Roten Teufel vom Betzenberg, dort die Eisernen aus Köpenick. In der Realität getrennt, in der Fußballromantik vereint. Am Ostersonntag 2017 wurden die Rollen getauscht. Union Berlin bereitet scheinbar unbeirrt ein kleines Himmelfahrtskommando Richtung Bundesliga vor, während der 1. FC Kaiserslautern das Tor zur Drittliga-Hölle nicht verriegelt bekommt.

Das Motto für den Endspurt: "Unzerstörbar"

Etwa 1.800 Fans nahmen zum Osterfest den weiten Weg aus der Pfalz oder den Sonntagsausflug aus den benachbarten Bundesländern auf sich. Neben den üblichen Verdächtigen tauchten auch einige auf, die sich in den letzten Jahren auch mal etwas zurückgezogen hatten. Wenn es gilt, rückt die Betze-Familie wieder zusammen (an). So war es und so bleibt es. Im – dank Gästeblock – nicht ganz ausverkauften Stadion An der Alten Försterei positionieren sich die FCK-Fans enger zusammengerückt hinter einem großen, rot-weißen Banner, welches das Motto für den Endspurt ausgeben sollte: "1. FC Kaiserslautern - Unzerstörbar". Im Block rundeten Doppelhalter, Fahnen und die üblichen Zaunfahnen der Fanclubs das Bild ab. Auf der Gegenseite versuchten sich die Heimfans an einer zweiteiligen Choreo, deren Umsetzung allerdings erst weit nach Anpfiff abgeschlossen war. Zu dem Zeitpunkt hatten die Hausherren schon zwei gefährliche Situationen vor dem Tor der Roten Teufel.

Getreu dem Choreo-Motto: "Union in Rot – das Stadion schallt, Ziel anvisiert – die Faust geballt", setzte Berlin den FCK von Beginn an unter Druck. Ein paar Spieler der Meier-Elf suchten noch ihre Position auf dem Feld und eilten den Gegenspielern ein bis zwei Schritte hinterher. Einzig Julian Pollersbeck stellte sich – wo möglich – immer größer werdend den Köpenickern in den Weg und verhinderte so vielversprechende Konterchancen. Doch auch die Nummer Eins der Lautrer konnte das 1:0 durch Damir Kreilach in unglücklicher Zusammenarbeit mit Phillipp Mwene in der 14. Minute nicht verhindern. Wenig später ersetzte Kacper Przybylko den an der Schulter verletzten Osayamen Osawe. Eine glücklose Umstellung von schnellen Kontern über Außen auf eine leider harmlose Variante zweier mit Gewalt-durch-die-Mitte-Stürmer zusammen mit Jacques Zoua. Während im Gästeblock der Rückschlag mehr und mehr weggesteckt und die Mannschaft angefeuert wurde, gelang es dem FCK-Team allerdings nicht, den offensiven Druck über die Strafraumgrenze ans, geschweige denn ins Tor zu bringen. Mit 0:1 ging es folglich in die Halbzeitpause, wo man sich fragte, wie denn dieser eine Ausgleichstreffer gelingen soll, den man dank der nun stabilisierten Abwehr in einen Punkt ummünzen könnte.

Torschütze Gaus sorgt für 17 hoffnungsvolle Minuten

Die Antwort lieferte Marcel Gaus in der 68. Minute. Mit Wut im Bauch und einer feinen Einzelaktion überwand er Keeper Daniel Mesenhöler und aus dem Gästeblock schallte es laut Hurra. Es begannen die 17 Minuten Glückseligkeit für die Betze-Fans. Bis dahin hatte Schiedsrichter Benjamin Brand bereits ein Abseitstor der Hausherren abgepfiffen und sollte im weiteren noch zwei Elfmeter und gleich nach dem Ausgleich einen erneuten Führungstreffer der Köpenicker (zu unrecht) verweigern. Von Minute zu Minute reifte die Gewissheit, dass wenigstens ein Unentschieden machbar sein könnte. Der Gästeblock hüpfte, schrie sich die Lunge aus dem Leib. Angefeuert von Capos mit und ohne Megafon, selbst Ex-Vorsänger Kempf tauchte plötzlich wie zu besten Zeiten vor den Massen auf. Auch Fritz Walter schickte einen schaurigen Gruß in den kühlen Aprilwetter-Mix. Doch eine Minute nach der Herausnahme von Gaus netzte Sebastian Polter in der 85. Minute zur erneuten Führung von Union Berlin ein. Drei Minuten später erhöhten die Eisernen auf 3:1 und der Gästeblock verstummte. Fünf Minuten hatten den Roten Teufeln am Ende gefehlt. Angst und Sorgen machten sich breit, während sich im weiten Rund die Aufstiegseuphorie und Freude über den Heimsieg bahnbrach und die Union-Fans hörbar auf sich aufmerksam machten.

"Lautrer geben niemals auf!"

Aufstiegskandidat ist nun der 1. FC Union Berlin, während der 1. FC Kaiserslautern weiter zusammenrücken und den Mythos der "Unzerstörbar" verinnerlichen muss. Der erste Teil von "Nur Zusammen – Unzerstörbar" ist aber schon erfüllt, wie sich nach Abpfiff herausstellte. Die Fans verabschiedeten die Spieler mit lautstarkem Mutzuspruch: "Lautrer geben niemals auf, sie kämpfen!" Nun sollte sich die Mannschaft das Prädikat unzerstörbar schleunigst erspielen. Auf der neuen Kapitänsbinde von Interims-Spielführer Christoph Moritz steht es schon. Mehrere Fanclubs des FCK überreichten dem verletzten Kapitän Halfar im Vorfeld eine rot-weiß-rote Binde mit dem Motto des Endspurts. Eine Erinnerung an alte Zeiten, eine Selbstvergewisserung gegen den Zweifel, ein Signal für die kommenden Spieltage. Fünf Spieltage bis zum Klassenerhalt!

 
28. Spieltag FCK 2 - 0 SpVgg Fürth Spielbericht
Wenn Anspannung zu Entspannung wird

Wenn Anspannung zu Entspannung wird

 

09.04.2017 - 00:40 Uhr

Ein spezielles Wechselbad der Gefühle erlebten die FCK-Fans beim Spiel gegen Fürth: Ehe der erlösende 2:0-Heimsieg gefeiert werden durfte, war höchste nervliche Anspannung angesagt.

 

Schließlich waren am Tag zuvor Bielefeld und St. Pauli am 1. FC Kaiserslautern vorbeigezogen, der sich plötzlich auf dem Relegationsplatz wiederfand. Von Abstiegsrang 17 (Aue) trennte die Roten Teufel nur noch das bessere Torverhältnis. So machte sich manch einer mit einem flauen Gefühl im Magen auf den Weg ins Fritz-Walter-Stadion. Es war klar: Gegen die SpVgg Fürth ist ein Heimsieg Pflicht – selten war diese Fußballphrase so wahr, wie an diesem Samstag.

"Mir steih'n ned ab!"

Trotz der brenzligen Situation kamen nur 21.812 Zuschauer ins Fritz-Walter-Stadion (ca. 400 Gästefans), die aber schon vor dem Anpfiff ein Zeichen setzten und ein sehenswertes "You'll never walk alone" zelebrierten. Später prangte groß vor der Westkurve: "FCK-Fans: Geh'n uff de Betze! Mir steih'n ned ab!"

Die FCK-Profis standen unter Zugzwang und zeigten zum wiederholten Male in dieser Saison: Wenn sie müssen – und wenn sie wollen – dann können sie auch. Wie schon zuvor in ähnlichen Drucksituationen zeigten die Roten Teufel gegen die immerhin seit neun Spielen ungeschlagenen Fürther ihr gutes Gesicht. Nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen war es Tim Heubach, der mit einem weiten Schlag Jacques Zoua in Szene setzte, welcher wiederum den Ball lehrbuchmäßig nach unten pflückte und zum 1:0 einschob (20.). Ausgerechnet Zoua, der Elfmeter-Fehlschütze von Bochum! Der Kameruner klopfte sich vor der Westkurve energisch auf die Brust, frei nach dem Motto: "Seht her, ich kann's doch!" Und die Fans ließen ihn hochleben.

Moritz zeigt sein bestes Saisonspiel – nicht nur wegen "Zidane"

Ein Sonderlob verdienten sich auch die beiden Außenverteidiger Marcel Gaus und Phillipp Mwene. Und Christoph Moritz, der sein bisher bestes Spiel im FCK-Trikot mit seinem ersten Tor krönte: Der 27-jährige trieb den Ball zunächst per Zidane-Trick selbst nach vorne und bekam ihn dann über den Umweg Kerk und Mwene im Strafraum wieder zurück, wo er viel Zeit hatte und überlegt am Fürther Keeper vorbei schob (39.). Der Jubel über das 2:0 wirkte bei den Spielern und auch bei den Fans fast etwas verhalten, möglicherweise auch ein Anzeichen für die vorhandene Anspannung. Und doch war schon zum Pausentee klar: Das müsste für den so wichtigen Heimsieg reichen.

Im Halbzeitgespräch bei Sky resümierte FCK-Idol Hans-Peter Briegel gar die "beste Saisonleistung" seines Vereins. Ganz so herausragend war es zwar nicht, aber die Führung gegen den Tabellensechsten aus Franken doch hochverdient.

Im zweiten Abschnitt passierte dann außer Geplänkel nicht mehr viel. Der FCK überließ Fürth das Spiel (30 zu 70 Prozent Ballbesitz), lauerte auf Gegenstöße, aber das eigentlich obligatorische 3:0 wollte nicht mehr fallen. Am erwähnenswertesten waren noch die Einwechslungen von Robert Glatzel, der die Pfiffe der Fans wohl nur mit einem Tor verstummen lassen kann, und von Kacper Przybylko, der nach seinen erneuten Fußproblemen ein kleines Comeback gab.

Schulterschluss zwischen Spielern und Fans

Den Fans war das alles von Minute zu Minute immer mehr egal und die hemmende Anspannung wich einer gelösten Entspannung. Kurz vor dem Abpfiff wurde die "Bastion Betzenberg" geflaggt, ehe Trainer Norbert Meier seine komplette Mannschaft in die Westkurve schickte. Das lange nicht mehr gesehene Abklatschen von Spielern und Fans war ein klares Signal für den Schulterschluss, den der FCK für die verbleibenden sechs Saisonspiele benötigt – und nicht zuletzt eine gelungene Siegesfeier.

In der total, total verrückten zweiten Liga beträgt der Abstand zwischen Platz 7 und 17 nur sieben Punkte. Und der FCK steckt mittendrin in diesem Pulk. Es ist noch einiges möglich, aber Mannschaft und Fans dürfen keinen einzigen Prozentpunkt nachlassen, um nicht doch noch im Abstiegsstrudel zu versinken. Nächste Woche an Ostersonntag geht es zum Aufstiegskandidaten Union Berlin.

 
27. Spieltag VfL Bochum 0 - 0 FCK Spielbericht
Die Angst im Kopf

Die Angst im Kopf

 

06.04.2017 - 12:30 Uhr

Der FCK lässt in Bochum zwei wichtige Punkte im Abstiegskampf liegen und bestätigt erneut seine Schwächen in der Offensive. Weil alle Konkurrenten im Tabellenkeller punkten, wachsen die Sorgen beim FCK-Anhang.

 

Was wäre gewesen, wenn Jacques Zoua den Strafstoß in der 21. Minute verwandelt hätte? Was wäre gewesen, wenn der Kameruner oder einer seiner Mitspieler eine der zahlreichen anderen Chancen genutzt hätten? Keine Frage, in Bochum haben die Roten Teufel zwei Punkte liegen gelassen und damit einen Befreiungsschlag im Tabellenkeller verpasst.

Gut 1.000 Fans hatten den Betze am Mittwochnachmittag ins Ruhrgebiet begleitet, trotz undankbarer Anstoßzeit. Auch auf Heimseite stieß die fanfeindliche Terminierung nicht auf Gegenliebe: "Anstoß 17:30 Uhr – Wat soll der Scheiß!?", fragte ein breites Spruchband vor der Osttribüne, der Heimat der VfL-Fans. Insgesamt waren 12.932 Zuschauer gekommen.

Bochums Fans: Zwischen Anfeuerung und Ausgliederung

Zwischen den vielen freien Flächen im schnörkellosen, kompakten Ruhrstadion waren immerhin die beiden Stehplatzbereiche eng gefüllt, entsprechend gut hörbar war der Support auf beiden Seiten. Bochums Anhang war gut aufgelegt und vor allem dann laut (und das übrige Stadion mitnehmend), wenn die eigenen Spieler mit dem simplen "VfL! VfL! VfL!"-Schlachtruf nach vorne gebrüllt wurden, was einige Male ordentlich zu "donnern" wusste. Abseits des Spielgeschehens setzte sich die blau-weiße Fanszene vor allem kritisch mit der ähnlich wie beim FCK angedachten Ausgliederung auseinander: "Eingetragener Verein" und "Ausgliederung verhindern" prangte auf großen Lettern vor beiden Hintertortribünen.

Auch die Roten Teufel wurden von ihren mitgereisten Anhängern ab der ersten Minute nach vorne gepeitscht und angefeuert. Die Mannschaft von Norbert Meier, in gleicher Grundformation wie gegen Braunschweig aufs Feld beordert, schien sich da nicht lumpen lassen zu wollen und bot nach kurzer Anlaufphase eine ansprechende Leistung. Abgesehen von einzelnen beunruhigenden Wacklern bei Standardsituationen standen die Roten Teufel defensiv stabil und suchten munter den Weg nach vorne.

Noch im Hinspiel war Osayamen Osawe mit drei Toren zum Matchwinner avanciert, in Bochum rückte er für Sebastian Kerk in die Startelf – und hätte nach rund 20 Minuten beinahe wieder den Weg zur Führung bereitet. Bochums Pawel Dawidowicz, der schon im letzten Aufeinandertreffen mehrmals alt gegen Osawe ausgesehen hatte, foulte Lauterns Angreifer im Strafraum. Jacques Zoua trat selbstbewusst zum fälligen Elfmeter an – und vergab kläglich (21.). Es war das frühe Sinnbild des gesamten Lautrer Spiels an diesem Tag.
Denn trotz bester Chancen erzielten die Gäste nicht den einen entscheidenden Treffer, der vermutlich so vieles leichter gemacht hätte. Denn immer dann, wenn die Meier-Elf kontern konnte, wurde es vor dem Bochumer Kasten gefährlich.

Kollektives Haare raufen im Gästeblock

Zur Pause stand die "Null" auf beiden Seiten. Zeit zum Durchatmen und – was leider wieder Pflicht wird – zum Checken der Konkurrenz-Ergebnisse. Tabellen wurden aktualisiert, Ergebnisse verglichen, Ticker nachgelesen: 1860 führte, bei Aue stand es noch 0:0. Keine optimalen Resultate, mit denen es in den zweiten Durchgang ging.

"Auf geht's, Lautern schieß' ein Tor", gab der Gästeblock nun die Devise vor. Doch Zoua (54.) und Osawe (55.) vergaben erneut gute Möglichkeiten. Es war zum Verzweifeln, kollektives Haare raufen im Gästeblock begleitete die Angriffsversuche der Lautrer, die mit fortlaufender Spieldauer immer fahriger zu Ende gespielt wurden.

Und dann raffte sich plötzlich auch noch Bochum auf und schickte sich an, den FCK einige Minuten in der Defensive zu beschäftigen und die Fans vorübergehend verstummen zu lassen. Gefährlichste Szene: Stipe Vucur musste einen Bochumer Kopfball gerade so auf der Linie wegkratzen (87.) und verhinderte die absolute Katastrophe – nämlich eine Niederlage, durch die der FCK endgültig zum Verlierer des Spieltags geworden wäre. Denn: Plötzlich führte Aue, wodurch die Veilchen mit den Pfälzern nach Punkten gleichzogen und den Abstiegskampf sieben Spieltage vor Schluss weiter zuspitzen.

Kritik an der Offensive – Halfars Zuversicht

"Irgendwann kommt die Heimmannschaft auch mal auf", umschrieb Meier die Schlussminuten in Bochum, wollte aber vor allem betonen: "Bis dahin hatten wir die Möglichkeit, das Spiel für uns zu entscheiden." Stipe Vucur nahm ebenfalls die Offensive in die Pflicht: "Vorne haben wir immer wieder Akzente gesetzt und müssen eigentlich ein Tor machen."

Doch das war den Lautrern an diesem Tag wieder nicht vergönnt. Zum dritten Mal in Folge blieben die Teufel torlos, zum zweiten Mal nach dem 0:0 in St. Pauli wurde sogar ein Elfmeter verschenkt. So blieb es auch in Bochum beim Remis und bangen Blicken auf die Tabelle. Die Angst geht wieder um und sorgt je nach Ausgestaltung ("So spielt ein Absteiger" vs. "Andere Mannschaften sind schlechter") unter den Betze-Fans für unterschiedliche Prognosen.

Daniel Halfar wollte nicht leugnen, dass es für den FCK immer enger wird. Der Kapitän mühte sich aber sofort um Zuversicht: "Wir spielen noch gegen alle Mannschaften da unten. Das sind Spiele, in denen wir mal einen Big Point holen können und müssen." Dafür allerdings müssen die Roten Teufel auch mal wieder das Tor treffen. Und sei es nur vom Elfmeterpunkt aus.

 
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