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5. Spieltag FCK 0 - 1 VfB Stuttgart Spielbericht
Erstliga-Kulisse – Zweitliga-Fußball

Erstliga-Kulisse – Zweitliga-Fußball

 

17.09.2016 - 20:16 Uhr

Engagierter gespielt als zuvor, aber trotzdem verloren: Nach dem 0:1 gegen Stuttgart dümpelt der FCK weiter am Tabellenende herum. Vor großer Kulisse am Betze zeigte sich erneut, dass die Baustellen im Spiel der Roten Teufel groß sind.

Immerhin: Der Rahmen stimmte beim „Traditionsduell“ des 1. FC Kaiserslautern gegen den VfB Stuttgart. Mehr als 45.000 Zuschauer pilgerten auf den Betzenberg, um beim Aufeinandertreffen der beiden gestrandeten Ex-Meister für gute Stimmung zu sorgen.

Wie erwartet nahmen auch zahlreiche Anhänger des VfB die Reise in die Pfalz auf sich. Die Züge über Mannheim nach Lautern waren am Vormittag brechend voll. Eine S-Bahn musste in Ludwigshafen dem Vernehmen nach sogar von der Polizei teilweise geräumt werden, um die Fahrt ohne Gefährdung der Fahrgäste fortsetzen zu können. Geschätzt 10.000 Stuttgarter Fans verteilten sich vom Gästeblock auf der Osttribüne bis zur Mitte der Südtribüne. Sogar hinter der Westkurve wurde der eine oder andere im Brustring-Trikot gesichtet – eigentlich ein absolutes No-Go, Sympathien hin oder her.

So breitete sich schon lange vor dem Anpfiff eine ordentliche Atmosphäre aus. Untermalt wurde sie von zwei imposanten Choreographien auf beiden Seiten, die jeweils von zahlreichen Fahnen in Rot-Weiß („Westkurve“) im Lautrer und Rot-Schwarz („Württemberg“) im Stuttgarter Lager eingerahmt wurden. Wem lief da nicht wenigstens ein kleiner Schauer über den Rücken, als die Mannschaften einmarschierten?

Munterer Beginn des FCK, honoriert vom Publikum

Der FCK schien die Unterstützung in den ersten Minuten nutzen zu wollen und legte gut los. Gleich zweimal kamen die Roten Teufel zu guten Chancen, honoriert vom tosenden Applaus und Anfeuerungsrufen des FCK-Anhangs. Was wäre wohl gewesen, hätten Marlon Frey oder Lukas Görtler das 1:0 erzielt?

Der VfB, bei dem der Ex-Lautrer Jean Zimmer zunächst auf der Bank saß, fand erst nach rund einer Viertelstunde in die Partie, kam dann allerdings einige Male gefährlich vor das Tor von Julian Pollersbeck, der anstelle von Rotsünder André Weis sein Debüt in der Startelf der Profis gab. Ein Tor wollte auf beiden Seiten nicht fallen, auch wenn Tayfun Korkut seine Mannschaft nach etwa einer halben Stunde noch einen Tick offensiver einstellte. Weil der schon zuvor angeschlagene Daniel Halfar mit einer Muskelverletzung vom Feld musste, beorderte er Patrick Ziegler ins defensive Mittelfeld, Ring und Frey auf die Außen und Stieber hinter die Doppelspitze Osawe/Görtler.

Trotz erschreckender technischer Mängel und der noch immer unübersehbaren Schwächen gerade in der Defensive, die vor allem bei steilen Zuspielen oder Kontern des Gegners ins Schwimmen geriet, kam der FCK auch im zweiten Durchgang zu einigen guten Möglichkeiten. Das Tor jedoch machten die Gäste aus Schwaben. Insua stürmte über die rechts Lautrer Abwehrseite, flankte unbedrängt und fand vor dem Tor gleich zwei seiner Mitspieler blank stehend – für Stuttgarts Torjäger Simon Terodde kein Problem (52.).

Ein brachialer Torschrei donnerte durch das Fritz-Walter-Stadion – leider von der falschen Seite. Während sich die Gäste feierten, herrschte in der Westkurve Ratlosigkeit. Einige wendeten sich ab, andere klatschen und feuerten das Team an. Die meisten schwiegen.

Gaus: „Das geht mir wieder auf den Sack“

„Wir haben verloren, das geht mir wieder auf den Sack, weil es eine total unnötige Niederlage ist“, sagte Marcel Gaus, der auf der linken Verteidigerseite nicht seinen besten Tag erwischte. Allerdings hatte er Recht. Mehrmals hätte der FCK noch bis zur 80. Minute den Ausgleich erzielen können. „Wir haben versucht, mit Leidenschaft an die Sache ranzugehen“, erklärte Lukas Görtler, der trotz Torschuss-Sondertraining zweimal aus aussichtsreicher Position scheiterte.

Der VfB seinerseits hielt dagegen, konterte und hatte nach dem offensiven Aufflammen des FCK leichtes Spiel. Entsprechend sank die Stimmung im Pfälzer Lager wieder ab. Die letzten Minuten verbrachte ein Großteil des Heimanhangs schweigend, das etwas konfus angestimmte „Wir haben die Schnauze voll“ erklang zwischendurch. Die Zeit lief den Roten Teufeln davon und mit ihr auch die Hoffnung, dass noch etwas gehen könnte an diesem Tag.

„Wir können uns nur selbst helfen“, betonte Gaus, nachdem die Mannschaft mit einigen Metern Sicherheitsabstand minutenlang vor der Westkurve stand, die ihrerseits mit gemischten Gefühlen – Applaus hier, Pfiffe da – auf die Niederlage reagierte. Zum Abschied gab es dann noch mal ein sehr lautes Pfeifkonzert für die weiter auf dem letzten Tabellenplatz dümpelnde FCK-Truppe. Schon am Mittwoch folgt gegen Dresden das nächste Heimspiel, zu dem – auch aufgrund der fanfeindlichen Anstoßzeit – deutlich weniger Zuschauer als gegen Stuttgart kommen werden. „Ich hoffe einfach, dass wir am Mittwoch für die Fans einen Dreier holen und unten rauskommen“, ergänzte Görtler. „Denn das macht einfach keinen Spaß gerade.“

Mein Teufel des Tages: Jacques Zoua traf zwar nach seiner Einwechslung nicht das Tor, doch der Neuzugang aus Frankreich brachte wenigstens ein bisschen Leben in die phasenweise lethargische und verunsicherte FCK-Elf. In Zweikämpfen bemüht feuerte der Stürmer auch ein-, zweimal das Publikum an. Eine Mentalität, die er und seine Kollegen gerne öfter zeigen dürften.

Was sonst noch auffiel: Ein ungewohntes Bild zeigten die Lautrer Hooligans, die normalerweise in Block 5.3 sitzen, sich heute jedoch inklusive Zaunfahnen im Stimmungszentrum direkt hinter dem Tor sammelten. Die Gruppe aus etwa 30 Mann zog in ihren auffälligen weißen T-Shirts unweigerlich die Blicke auf sich, an der Stimmung hingegen beteiligten sie sich weitgehend nicht. Abgerundet wurde der Auftritt durch ein Spruchband mit der Aufschrift: „Unsere Stadt – Unsere Regeln“.

 
4. Spieltag SV Sandhausen 2 - 0 FCK Spielbericht
Spätsommer-Blues, Teil III: Der nächste Tiefpunkt

Spätsommer-Blues, Teil III: Der nächste Tiefpunkt

 

11.09.2016 - 23:20 Uhr

Der FCK hat in Sandhausen verloren und schlittert damit wieder einmal in die spätsommerliche Krise. Die Stimmung ist endgültig gekippt, auch wenn Trainer und Mannschaft um Zeit bitten.

Es hätte so schön sein können. Sonne, Spätsommer, Fußball. Ein heißer Tag in der Kurpfalz, ein Auswärtsspiel mit kurzer Anfahrt. Doch wieder einmal entwickelte sich für den Anhang des 1. FC Kaiserslautern die Reise zum SV Sandhausen zu einem emotionalen Tiefpunkt. 0:2 ließen sich die Pfälzer vom SVS abschießen – fast ohne Gegenwehr.

Fast 4.000 Fans der Roten Teufel bevölkerten das Hardtwaldstadion und machten die Partie in der Heidelberger Vorstadt wie schon in den Jahren zuvor zu einem akustischen Heimspiel. Selbst als die Gastgeber durch einen schönen Spielzug durch Lukas Höler schon nach wenigen Minuten mit 1:0 in Führung gingen (6.), feuerten die Lautrer ihr Team durchgehend weiter an.

Die Spieler auf dem Feld agierten allerdings einmal mehr lethargisch. Tayfun Korkuts Plan, wie der erste Saisonsieg endlich eingefahren werden könnte, schien bei ihnen nicht angekommen. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen waren viel zu groß, die Laufwege nicht stimmig und der bedauernswerte Osayamen Osawe rieb sich als Einzelkämpfer vorne auf. Torschüsse? Mangelware!

All das wäre irgendwie noch verschmerzbar, würde die Mannschaft wenigstens Mentalität zeigen. Doch der Kampf, seit jeher das Lebenselixier jedes Lautrers, war nicht zu sehen. Korkuts vorsaisonale Ankündigung, die „Lautrer Tugenden“ in seine Spielidee integrieren zu wollen, sie ist weiterhin nicht erkennbar. Der Trainer selbst schien sich der müden Vorstellung seiner Mannen anzupassen. Fast das komplette Spiel über saß der 49-Jährige auf seinem Stuhl, erschien ebenso antriebs- und willenlos wie seine Elf.

Korkut: „Fünf gute Minuten reichen nicht“

Und wer glaubte schon wirklich an das erhoffte Donnerwetter in der Halbzeitansprache, als Korkut mit hängenden Schultern und gesenktem Blick als Letzter in den Spielertunnel einbog? Zwar hatten seine Spieler wenigstens in den Minuten vor der Halbzeit einige gefährliche Situationen erspielt und den Gästeanhang noch mal richtig laut werden lassen. Doch „fünf gute Minuten reichen nicht“, sagte der FCK-Coach selbstkritisch. „Wir haben es nicht geschafft, eine klare Torchance herauszuspielen“, erklärte er die weiterhin enttäuschende Darbietung auch nach dem Seitenwechsel. Es sei nun wichtig, die Partie schnellstmöglich aufzuarbeiten. Allein: Die Ankündigung kennt man in Kaiserslautern mittlerweile zur Genüge.

Fast schon aus Trotz nahm der Support aus dem Gästeeck nach der Halbzeit noch einmal an Fahrt auf. Lautes Klatschen, Anfeuerungsrufe, Gesang und Gestikulieren. Doch das kurze Aufbäumen nahm mit der Zeit ab. Die übliche Ratlosigkeit schien Einzug zu halten, ehe sie angesichts der armen Leistung auf dem Platz umschlug, spätestens als Korbinian Vollmann auf 2:0 für Sandhausen erhöhte (83.). Schon zehn Minuten zuvor war die Partie seitens der lustlosen Lautrer eigentlich abgehakt, als Schlussmann André Weis aufgrund eines Handspiels außerhalb des Strafraums die Rote Karte quittierte – symptomatisch.

Noch während des Spiels verließen die ersten FCK-Fans das Stadion und zwangen die verblüfften Shuttle-Busfahrer zum vorzeitigen Beginn ihrer Schicht. Die wieder sehenswerte Zaunbeflaggung wurde abgenommen, noch bevor Schiedsrichter René Rohde die Partie beendet hatte. Als die Mannschaft sich nach dem Abpfiff Richtung Gästeblock wandte, knallte ihr ein Mix aus Pfiffen und wütenden Rufen entgegen. „Wir haben die Schnauze voll“, wurde skandiert und am Zaun gerüttelt, was ein gespenstisches Kettenrassel-Geräusch verursachte und sogar die Polizisten auf der Haupttribüne eilig zu ihrem Ferngläsern greifen ließ. Der Trainer war da schon weg und die Spieler standen mit in die Hüfte gestützten Armen und leeren Gesichtern minutenlang vor dem Gästeblock.

Die Zeit läuft nun doppelt so schnell davon

Dabei drohte kein echtes Ungemach seitens der Fans, doch der angestaute Frust musste sich entladen. Aalen 2013, Paderborn 2015, Sandhausen 2016 – wieder einmal hält in Kaiserslautern der Spätsommer-Blues Einzug. Ein harter Herbst steht bevor, wenn nicht bald die Neuverpflichtungen den erhofften Qualitätsgewinn bringen – spielerisch und mental!

„Wir haben Anfang der Saison gesagt, dass es nicht einfach wird, dass es schwierig wird, dass wir komplett neu zusammengewürfelt sind. Das fängt im Verein ganz oben an und hört bei uns unten auf“, erklärte ein sichtlich erschöpfter Daniel Halfar nach dem Spiel neben der Tür zur Putzkammer des Hardtwaldstadions. Dass der FCK auf den letzten Tabellenplatz abstürzen würde, hätte allerdings am Anfang der Saison keiner gedacht. Ein paar Meter weiter präsentierten sich die strahlenden Sandhäuser, darunter wie gewohnt viele Ex-Lautrer, der wartenden Presse. „Wir müssen schauen, dass wir da irgendwie rauskommen“, fügte Halfar an. Immerhin – so der FCK-Kapitän – sei ja erst der vierte Spieltag gespielt. Man brauche Zeit. Und man würde sie dem FCK gerne geben. Doch spätestens seit diesem Sonntag läuft sie den Verantwortlichen doppelt so schnell davon.

Mein Teufel des Tages: Selten zuvor hat sich kein Spieler des Spiels diesen Titel verdient. Er geht – schon aus nostalgisch, verzweifelter Sicht – an Gerry Ehrmann, der wie immer schwieg und doch alles sagte. Und an die mitgereisten Fans, deren Leidensfähigkeit bewundernswert ist.

Was sonst noch auffiel: Dass der SV Sandhausen sein 100-jähriges Bestehen feiert und die Fankurve dabei zwar keine großen Sprünge, aber eben doch eine kleine feine Choreo auf die Beine stellt, verdient Respekt. Die orange-farbenen Klatschpappen und Riesenfinger des Hauptsponsors hätte es hingegen nicht gebraucht.

 
3. Spieltag FCK 0 - 0 Fortuna Düsseldorf Spielbericht
Alles Auslegungssache

Alles Auslegungssache

 

30.08.2016 - 18:10 Uhr

War das 0:0 gegen Düsseldorf der nächste Rückschlag oder ein Schritt nach vorne für den FCK? Auf dem Betzenberg gab es gestern Abend mehrere Antworten auf diese und einige weitere Fragen.

Olaf Marschall grinste am Wochenende in der SWR-Sendung Flutlicht mit einer frisch gekugelten Eistüte in die Kamera: „Sehen wir so aus, als ob wir schlechte Laune hätten?“ antwortete der FCK-Scout am Rande des Trainingsplatzes mit einer Gegenfrage auf die Frage zur Gefühlslage nach dem Fehlstart des 1. FC Kaiserslautern in die neue Saison. Nein, nach schlechter Laune sah das wirklich nicht aus, diese kleine Momentaufnahme am Eiswagen von Filippo.

Aber es gibt auch eine andere Seite der Medaille: Die Fans – und sicher auch einige Verantwortliche beim FCK – werden langsam nervös. Dafür benötigt es nichtmal einen Shitstorm aus den Sozialen Netzwerken als Beispiel, sondern es genügt schon ein Blick auf den enttäuschten Gästeblock nach dem Pokal-Aus in Halle oder auf die dramatisch gesunkene Zuschauerzahl beim zweiten Saison-Heimspiel im Fritz-Walter-Stadion. „Das wird eine Saison im Abstiegskampf“, prognostizieren die Pessimisten, und mit Blick auf die Partie gegen Fortuna Düsseldorf müsse „um jeden Preis ein Sieg her“ und die Lautrer Defensive müsse ihre „Fehler so schnell wie möglich abstellen“, hieß es in den Tagen vor Montag. Die letztgenannte Aussage stammte übrigens nicht von einem Pessimisten, sondern von FCK-Trainer Tayfun Korkut persönlich.

Hinten steht die Null – und vorne auch

Und tatsächlich, das Teilziel „bessere Defensive“ wurde gegen Düsseldorf erfüllt, obwohl die beiden Neuzugänge für die Viererkette noch gar nicht dabei waren: Erstmals in dieser Saison spielten die Roten Teufel zu Null. Für einen Heimsieg reichte es hingegen nicht, da auch vorne die Null stand und somit dem FCK-Umfeld allenfalls eine halbe Beruhigungspille serviert wurde. Unter dem Strich war es zwar ein gerechtes 0:0, wobei ein 2:2 aufgrund der weiterhin vorhandenen Abwehrfehler vielleicht noch passender gewesen wäre, aber: Ärgerlich war's trotzdem. Denn Chancen zum Siegtreffer gab es genug, etwa durch Aliji, Vucur, Osawe oder den eingewechselten Zoua, der nur die Latte traf.

Wobei aber auch hier freilich noch eine andere, zweite Auslegung existierte: „Das war für uns heute ein erster Schritt nach den vielen Gegentoren, die wir bekommen haben“, so Tayfun Korkut nach dem Spiel. Stimmt auch irgendwie. Zumal auch Düsseldorf durch Bebou, Hennings, Fink und Bellinghausen einige hochkarätige Chancen liegen gelassen hatte.

Katastrophal war unbestritten die Zuschauerzahl: Dreieinhalb Wochen nach den umjubelten 40.021 zum Saisonauftakt gegen Hannover verirrten sich an diesem Montagabend nur noch 20.278 Besucher ins Fritz-Walter-Stadion. Die Aufbruchstimmung ist vorerst verpufft. Aber – um im Bild der Gegensätze zu bleiben – diejenigen, die da waren, sorgten dann doch für ganz gute Stimmung. Insbesondere in der zweiten Halbzeit drehte die Westkurve einige Male ordentlich auf. Und auch die knapp 1.000 mitgereisten Fortunen zeigten einen starken Support.

Kein Spiel für's Langzeitgedächtnis

Was bleibt hängen von dem Spiel gegen Düsseldorf? Nicht viel, wird man in der Saisonrückschau festhalten müssen. Die instabile Lautrer Defensive hat zum ersten Mal dicht gehalten, mit Können und mit Glück. Über die Länderspielpause soll sie mit zwei Neuzugängen – ein Rechtsverteidiger und ein Innenverteidiger stehen in den Startlöchern – weiter stabilisiert werden. Korkut: „Wir wollen die zwei Wochen nutzen, um an der gesamten Struktur zu arbeiten. Uns tut jeder Trainingstag gut.“ Trainerroutinier Friedhelm Funkel zeigte sich indes zufrieden mit dem Punktgewinn für seine Fortuna und sah im Umkehrschluss die Entwicklung beim FCK aus optimistischem Blickwinkel: „Bei meinem Ex-Verein war nichts von Verunsicherung zu spüren. Sie haben gut nach vorne gespielt, sie haben leidenschaftlich gekämpft. Alle sollten dem FCK Zeit geben, dann wird diese Mannschaft auch wieder dorthin kommen, wo sie letztendlich auch hin will.“ War es also am Montag der nächste Rückschlag oder ein Schritt nach vorne für die Roten Teufel? Alles Auslegungssache.

Mein Teufel des Tages: Phillipp Mwene. Der Mann mit dem Doppel-L und Doppel-P im Vornamen machte kein überragendes Spiel, aber zumindest sein bisher bestes im FCK-Dress. Damit gab er die richtige Antwort auf seinen katastrophalen Fehler eine Woche zuvor, der zum Ausscheiden im Pokal führte. Nach der Verpflichtung von Mensur Mujdza dürfte der bisherige Stammspieler Mwene, der eigentlich nur als „Backup“ verpflichtet wurde, trotzdem künftig auf der Bank Platz nehmen müssen.

Was sonst noch auffiel: Vor der Westkurve bildet sich langsam ein sehenswertes Zaunfahnen-Bild. Die Fanclubs hatten sich in der Sommerpause zusammengesetzt, um den in den letzten Jahren immer wieder klaffenden Lücken und Unsortiertheiten am Zaun ein Ende zu bereiten. Das scheint zu gelingen.

 
1. Runde DFB-Pokal Hallescher FC 4 - 3 FCK n.V. Spielbericht
Der nächste Sturm

Der nächste Sturm

 

21.08.2016 - 11:00 Uhr

In Halle an der Saale geht die „Unzerstörbar“ zur 1. Runde im DFB-Pokal vor Anker. Erneut hat das Schiff im Sommer einige Umbauarbeiten erlebt. Die Mannschaft werkelt noch immer unter dem Deck und auf der Brücke, aber der Pokalhafen wirkt vertraut. DBB-Autor Toco rettet sich ein wenig desillusioniert und umso mehr ernüchtert in nautischen Metaphern.

Viele Geschichten von Pokal-Triumphen des 1. FC Kaiserslautern machen die Runde. Die letzte große Geschichte ist fester Bestandteil des Liedguts im Turnier: „Trotz der zweiten Liga, Deutscher Pokalsieger, 1996 FCK.“ Dieses Ereignis vor 20 Jahren würdigt auch der Anhang im – initiiert vom Pfalz Inferno – ganz in weiß gehaltenen Gästeblock: „20 Jahre Deutscher Pokalsieger 1996“ ziert in roter Schrift auf weißem Stoff die zahlreichen T-Shirts im südöstlichen Eck des neugebauten Kurt-Wabbel-Stadions. Zusätzlich bereichern einige Schwenkfahnen und Zaunfahnen das Bild.

Auf der anderen Seite basteln die Fans des Halleschen FC, nostalgisch auch „HFC Chemie“ genannt, zum Einlauf der Mannschaften an der Siegerformel und beschwören den „chemischen Wahnsinn“. Ein (w)irrer Wissenschaftler mit bengalisch-roten Augen mischt, umrahmt von rot-silbernen Fahnen, ein paar Flüssigkeiten zusammen und am Ende – wenn wundert's? – raucht es. Nur die Tafel mit der Siegesformel ruinieren die Heimfans in rot beim hochziehen gleich selbst. Auf den Rängen ist alles bereitet für einen glänzenden Pokal-Tag, doch über dem grauen Wellblech-Dach verdunkeln nicht weniger graue Wolken den Himmel. Gewitter droht. Ein Sturm zieht auf.

Osawe und Stieber lassen die Gästefans jubeln

Nach einer Schweigeminute zum Gedenken an den bei Olympia in Rio verstorbenen Hallenser Kanu-Trainer Stefan Henze, bei der skurrilerweise die Lautrer den Halleschen Anhang zwischendurch zur Ordnung rufen müssen, pfeift Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus die Partie an. Auf dem Platz versuchen die Roten Teufel im schwarzen Outfit die Kontrolle zu übernehmen. Die Heimmannschaft genügt sich in wenigen Störmanövern, hält den FCK aber zunächst auch gut vom eigenen Tor fern. Die Stimmung und Motivation beim reisefreudigen Anhang aus der Pfalz, einmal mehr im Osten von zahlreichen Fans aus dem Umland bereichert, ist prächtig und wird in der 23. Minute dank Osayamen Osawe von einer großen Portion Erleichterung versüßt. Gegen seinen Ex-Verein zeigte sich der mit Pfiffen empfangene Engländer treffsicher und bringt die Gäste in Führung. So weit, so standesgemäß. Wenig später geht ihm die Treffsicherheit jedoch ab und statt eines souveränen 2:0 lässt Halle in der 33. Minute Naser Aliji per Eigentor zum 1:1-Ausgleich einnetzen. Ungläubige Blicke wandern durch den Gästeblock. Einen Moment lang verschlägt es den Pfälzer Krischern die Sprache, aber mit einem lauten „Kämpfen, Lautern, Kämpfen“ kommt der Block wieder zu sich.

Gegen die steigende Stimmung der Heimfans wirft sich Zoltan Stieber mit einer schönen Einzelaktion und erfolgreichem Abschluss. Der Dämpfer zur rechten Zeit für Halle, Oberwasser für den Zweitligisten und Erleichterung für die Fans. Das erste Comeback dieser Saison. Mit einer verdienten 2:1-Führung und Applaus von den Rängen gehen die Roten Teufel in die Pause.

Statt allerdings nach Seitenwechsel den Kurs Richtung Runde 2 zu setzen, überlässt der FCK der Heimmannschaft das Ruder. Die „Chemiker“ nutzen die Gelegenheit und drehen das Spiel. Die Lautrer Innenverteidigung macht dabei erneut keine glückliche Figur. Die Konfusion auf dem Platz schmälert die Stimmung bei den Roten Teufeln auf den Rängen. Es mangelt an Drang zum Tor und an der zündenden Idee, auch wenn Trainer Korkut nach und nach die Offensive verstärkt. Während der Abpfiff näherrückt, kommt der FCK nicht näher ans Tor. Doch statt daran zu verzweifeln, sparen sich die Gästefans den Unmut erstmal für das unnötige Zeitspiel der Hallenser auf. Bei einem letzten Angriff in der 94. Minute schnürt ausgerechnet Osawe seinen Doppelpack. Vor lauter Freude weiß der Gästeblock kaum wohin. Zäune werden erklommen, die Leute liegen sich in den Armen, die Stimmbänder werden strapaziert und auch die ausgelassenen Betze-Spieler sammeln sich vor dem Block und versuchen die Stimmung in immer weitere Höhen zu schrauben.

Kein Aufbäumen nach dem erneuten Rückstand

Doch auf dem Platz liefern sie in der Verlängerung keinen weiteren Anlass. Auf einen Abwehrpatzer von Phillipp Mwene folgt ein unnötiges Foul des überraschten André Weis im eigenen Strafraum. Den unstrittigen Foulelfmeter verwandelt Kapitän Klaus Gjasula – Bruder des ehemaligen FCK-Spielers Jurgen Gjasula – zum 4:3-Endstand für Halle. Zu diesem Zeitpunkt sind allerdings noch 27 Minuten zu spielen. Während sich die Wolken am Himmel wieder aufhellen und das meteorologische Unwetter an Halle vorbeigezogen ist, plätscherte das Spiel dahin. Viel Zeit für den Anhang, die eigene Mannschaft nach vorne zu singen, aber auch um sich auf das drohende Erstrunden-Aus einzustellen.

Gegen 18:00 Uhr endet dann verdient die Pokalsaison der Roten Teufel. Außer einem knappen Freistoß von Aliji ist in der Verlängerung nicht mehr viel zu sehen vom FCK – das war viel zu wenig vom Zweitligisten gegen den Drittligisten. Unnötig ist aber nicht nur die Niederlage, sondern auch die Reaktion der Mannschaft auf dem Weg zum Anhang. Anders als in der 90+4. Minute klatscht das sichtlich angeschlagene Team mit deutlichem Sicherheitsabstand Richtung Gästeblock, was mehr und mehr von lauten Pfiffen und wilden Gesten quittiert wird. Eine kleine Gruppe um Gerry Ehrmann (wer sonst?) und Daniel Halfar verharrt am Platz, während große Teile der Mannschaft in Richtung Kabine verschwinden, und insbesondere der Kapitän nähert sich schließlich doch noch den Fans. Der Himmel öffnet allmählich doch noch die Schleusen. Manch ein Profi mag sich wundern, aber FCK-Fans wissen warum. #ZusammenLautern geht anders.

Der Kurs für die „Unzerstörbar“ ist gesetzt, die Zeit für Reparaturarbeiten wird knapper. Keine Chance zur Wiedergutmachung, denn der Weg im DFB-Pokal ist jäh gestoppt. Die Saison ist aber noch nicht verloren. Leider fällt es immer mehr Fans stetig schwerer, dass der Mannschaft wieder und wieder zu vermitteln. Die Aufbruchstimmung droht zu versickern.

 

 
2. Spieltag Würzburger Kickers 1 - 1 FCK Spielbericht
„Gefühlte Niederlage“

„Gefühlte Niederlage“

 

15.08.2016 - 03:45 Uhr

Nicht nur für FCK-Trainer Korkut eine gefühlte Niederlage: In Würzburg geben die Roten Teufeln eine Führung aus der Hand und überlassen dem Gegner völlig unnötig einen Punkt.

Es hätte so schön sein können. Letzte Woche war Marcel Gaus noch der Depp beim 1. FC Kaiserslautern, der die riesengroße Chance zum Führungstreffer vergeben hatte, welcher vielleicht den Sieg gegen Hannover bedeutet hätte oder zumindest einen besseren Spielverlauf. Und diese Woche wäre ausgerechnet Gaus fast der Held geworden, der den FCK auswärts bei den Würzburger Kickers zum 1:0-Sieg geschossen hätte. Nach überragender Vorarbeit von Christoph Moritz hatte der Mittelfeldspieler zur frühen Führung getroffen und zusammen mit Osayamen Osawe vor der Fankurve gejubelt (20.).

Es ist müßig darüber zu spekulieren, ob Gaus' Tor das einzige des Tages geblieben wäre, wenn sich nicht Stipe Vucur kurz vor der Pause einen kapitalen Blackout geleistet hätte. Unwahrscheinlich ist es jedenfalls nicht. So aber kam es zum Elfmeter für Würzburg, den Moritz in höchster Not nach Vucurs Fehlpass verursachte und den Richard Weil ohne Probleme verwandelte (45.). Tayfun Korkut blieb so nach dem Spiel nur die Feststellung: „Im Fußball gibt es gute und schlechte Tage. Heute war ein schlechter Tag.“ Der FCK-Coach konstatierte eine „gefühlte Niederlage“ für seine Mannschaft, die sich nicht für ihre gute Leistung belohnt habe.

Und tatsächlich spielten die Roten Teufel gegen den Aufsteiger besser als eine Woche zuvor gegen den Absteiger. FCK-Sportdirektor Uwe Stöver hatte zwei Schlüsselszenen ausgemacht: Natürlich den Elfmeter-Patzer von Vucur. Und direkt nach dem Führungstreffer eine vergebene Großchance von Osawe – genau wie eine Woche zuvor hätten Gaus und Osawe zu den Helden des Tages werden können und standen am Ende doch wieder da wie begossene Pudel.

Volles Haus und viele FCK-Fans am Dallenberg

Für die gut 2.500 mitgereisten FCK-Fans hatte sich die Fahrt nach Würzburg trotzdem gelohnt: Super Wetter, ein neuer Ground, angenehme Atmosphäre. Da hätten eigentlich nur noch die drei Punkte gefehlt. Losgegangen war es bei einigen Lautrer Schlachtenbummlern mit Anreiseproblemen, denn in Heidelberg war die Bahnstrecke gesperrt. Andere standen in Würzburg im Stau oder wunderten sich in den überfüllten Stadionkneipen, dass dort offensichtlich nicht jeder mit einem derartigen Besucherandrang (offiziell 12.087 Zuschauer) gerechnet hatte – immerhin spielte der FWK vor kurzem noch vor dreistelligen Zuschauerzahlen.

Am Ende kamen aber doch alle ins Stadion und sorgten, ebenso wie die Würzburger Fans, für eine ganz ordentliche Zweitliga-Stimmung. Die Arena wird gerade zweitligatauglich gemacht und fast schien es so, als ob neben den alten rot-weißen Schalensitzen noch etwas anderes aus dem Fritz-Walter-Stadion importiert wurde: Das grüne 90er-Jahre-Fangnetz vor dem Gästeblock wirkte doch etwas störend, ebenso wie der engmaschige Zaun. Aber insgesamt ist das Stadion am Dallenberg für einen kleinen Verein wie die Würzburger Kickers ein gelungenes Bauwerk.

Zurück zum Sportlichen: Der Nachholbedarf war dem FCK erneut deutlich anzusehen, trotz der leichten Überlegenheit. Und zwar nicht nur auf der Innenverteidiger-Position, wo der nicht zum ersten Mal unkonzentrierte Vucur zur Halbzeit sofort gegen Tim Heubach ausgetauscht wurde. Neuzugang Zoltan Stieber war noch nicht ganz fit und konnte die Partie deshalb nur als Einwechselspieler beleben; Jacques Zoua stand noch gar nicht im Kader. Vielleicht wäre es sonst besser gelaufen? Neben Stieber und Zoua soll noch ein gestandener Innenverteidiger dazu kommen, außerdem ein Außenverteidiger möglichst für beide Seiten. Die ersten Punkte dieser Saison sind zwar schon verloren, aber die Roten Teufel haben noch nicht ihr wahres Gesicht gezeigt – und das ist auch gut so.

 
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