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29. Spieltag Union Berlin 3 - 1 FCK Spielbericht
Mythos in Vorbereitung

Mythos in Vorbereitung

 

16.04.2017 - 00:30 Uhr

17 Minuten Glückseligkeit, fast schon Erleichterung. Mehr war den 1.800 FCK-Fans an der Alten Försterei nicht vergönnt. Doch trotz großer Enttäuschung rückten die Roten Teufel und ihre Anhänger in Berlin weiter zusammen.

 

Aufstiegsambitionen gegen Abstiegssorgen. Die Rollen dieses Duells waren in den vergangenen Jahren klar verteilt. Hier die Roten Teufel vom Betzenberg, dort die Eisernen aus Köpenick. In der Realität getrennt, in der Fußballromantik vereint. Am Ostersonntag 2017 wurden die Rollen getauscht. Union Berlin bereitet scheinbar unbeirrt ein kleines Himmelfahrtskommando Richtung Bundesliga vor, während der 1. FC Kaiserslautern das Tor zur Drittliga-Hölle nicht verriegelt bekommt.

Das Motto für den Endspurt: "Unzerstörbar"

Etwa 1.800 Fans nahmen zum Osterfest den weiten Weg aus der Pfalz oder den Sonntagsausflug aus den benachbarten Bundesländern auf sich. Neben den üblichen Verdächtigen tauchten auch einige auf, die sich in den letzten Jahren auch mal etwas zurückgezogen hatten. Wenn es gilt, rückt die Betze-Familie wieder zusammen (an). So war es und so bleibt es. Im – dank Gästeblock – nicht ganz ausverkauften Stadion An der Alten Försterei positionieren sich die FCK-Fans enger zusammengerückt hinter einem großen, rot-weißen Banner, welches das Motto für den Endspurt ausgeben sollte: "1. FC Kaiserslautern - Unzerstörbar". Im Block rundeten Doppelhalter, Fahnen und die üblichen Zaunfahnen der Fanclubs das Bild ab. Auf der Gegenseite versuchten sich die Heimfans an einer zweiteiligen Choreo, deren Umsetzung allerdings erst weit nach Anpfiff abgeschlossen war. Zu dem Zeitpunkt hatten die Hausherren schon zwei gefährliche Situationen vor dem Tor der Roten Teufel.

Getreu dem Choreo-Motto: "Union in Rot – das Stadion schallt, Ziel anvisiert – die Faust geballt", setzte Berlin den FCK von Beginn an unter Druck. Ein paar Spieler der Meier-Elf suchten noch ihre Position auf dem Feld und eilten den Gegenspielern ein bis zwei Schritte hinterher. Einzig Julian Pollersbeck stellte sich – wo möglich – immer größer werdend den Köpenickern in den Weg und verhinderte so vielversprechende Konterchancen. Doch auch die Nummer Eins der Lautrer konnte das 1:0 durch Damir Kreilach in unglücklicher Zusammenarbeit mit Phillipp Mwene in der 14. Minute nicht verhindern. Wenig später ersetzte Kacper Przybylko den an der Schulter verletzten Osayamen Osawe. Eine glücklose Umstellung von schnellen Kontern über Außen auf eine leider harmlose Variante zweier mit Gewalt-durch-die-Mitte-Stürmer zusammen mit Jacques Zoua. Während im Gästeblock der Rückschlag mehr und mehr weggesteckt und die Mannschaft angefeuert wurde, gelang es dem FCK-Team allerdings nicht, den offensiven Druck über die Strafraumgrenze ans, geschweige denn ins Tor zu bringen. Mit 0:1 ging es folglich in die Halbzeitpause, wo man sich fragte, wie denn dieser eine Ausgleichstreffer gelingen soll, den man dank der nun stabilisierten Abwehr in einen Punkt ummünzen könnte.

Torschütze Gaus sorgt für 17 hoffnungsvolle Minuten

Die Antwort lieferte Marcel Gaus in der 68. Minute. Mit Wut im Bauch und einer feinen Einzelaktion überwand er Keeper Daniel Mesenhöler und aus dem Gästeblock schallte es laut Hurra. Es begannen die 17 Minuten Glückseligkeit für die Betze-Fans. Bis dahin hatte Schiedsrichter Benjamin Brand bereits ein Abseitstor der Hausherren abgepfiffen und sollte im weiteren noch zwei Elfmeter und gleich nach dem Ausgleich einen erneuten Führungstreffer der Köpenicker (zu unrecht) verweigern. Von Minute zu Minute reifte die Gewissheit, dass wenigstens ein Unentschieden machbar sein könnte. Der Gästeblock hüpfte, schrie sich die Lunge aus dem Leib. Angefeuert von Capos mit und ohne Megafon, selbst Ex-Vorsänger Kempf tauchte plötzlich wie zu besten Zeiten vor den Massen auf. Auch Fritz Walter schickte einen schaurigen Gruß in den kühlen Aprilwetter-Mix. Doch eine Minute nach der Herausnahme von Gaus netzte Sebastian Polter in der 85. Minute zur erneuten Führung von Union Berlin ein. Drei Minuten später erhöhten die Eisernen auf 3:1 und der Gästeblock verstummte. Fünf Minuten hatten den Roten Teufeln am Ende gefehlt. Angst und Sorgen machten sich breit, während sich im weiten Rund die Aufstiegseuphorie und Freude über den Heimsieg bahnbrach und die Union-Fans hörbar auf sich aufmerksam machten.

"Lautrer geben niemals auf!"

Aufstiegskandidat ist nun der 1. FC Union Berlin, während der 1. FC Kaiserslautern weiter zusammenrücken und den Mythos der "Unzerstörbar" verinnerlichen muss. Der erste Teil von "Nur Zusammen – Unzerstörbar" ist aber schon erfüllt, wie sich nach Abpfiff herausstellte. Die Fans verabschiedeten die Spieler mit lautstarkem Mutzuspruch: "Lautrer geben niemals auf, sie kämpfen!" Nun sollte sich die Mannschaft das Prädikat unzerstörbar schleunigst erspielen. Auf der neuen Kapitänsbinde von Interims-Spielführer Christoph Moritz steht es schon. Mehrere Fanclubs des FCK überreichten dem verletzten Kapitän Halfar im Vorfeld eine rot-weiß-rote Binde mit dem Motto des Endspurts. Eine Erinnerung an alte Zeiten, eine Selbstvergewisserung gegen den Zweifel, ein Signal für die kommenden Spieltage. Fünf Spieltage bis zum Klassenerhalt!

 
28. Spieltag FCK 2 - 0 SpVgg Fürth Spielbericht
Wenn Anspannung zu Entspannung wird

Wenn Anspannung zu Entspannung wird

 

09.04.2017 - 00:40 Uhr

Ein spezielles Wechselbad der Gefühle erlebten die FCK-Fans beim Spiel gegen Fürth: Ehe der erlösende 2:0-Heimsieg gefeiert werden durfte, war höchste nervliche Anspannung angesagt.

 

Schließlich waren am Tag zuvor Bielefeld und St. Pauli am 1. FC Kaiserslautern vorbeigezogen, der sich plötzlich auf dem Relegationsplatz wiederfand. Von Abstiegsrang 17 (Aue) trennte die Roten Teufel nur noch das bessere Torverhältnis. So machte sich manch einer mit einem flauen Gefühl im Magen auf den Weg ins Fritz-Walter-Stadion. Es war klar: Gegen die SpVgg Fürth ist ein Heimsieg Pflicht – selten war diese Fußballphrase so wahr, wie an diesem Samstag.

"Mir steih'n ned ab!"

Trotz der brenzligen Situation kamen nur 21.812 Zuschauer ins Fritz-Walter-Stadion (ca. 400 Gästefans), die aber schon vor dem Anpfiff ein Zeichen setzten und ein sehenswertes "You'll never walk alone" zelebrierten. Später prangte groß vor der Westkurve: "FCK-Fans: Geh'n uff de Betze! Mir steih'n ned ab!"

Die FCK-Profis standen unter Zugzwang und zeigten zum wiederholten Male in dieser Saison: Wenn sie müssen – und wenn sie wollen – dann können sie auch. Wie schon zuvor in ähnlichen Drucksituationen zeigten die Roten Teufel gegen die immerhin seit neun Spielen ungeschlagenen Fürther ihr gutes Gesicht. Nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen war es Tim Heubach, der mit einem weiten Schlag Jacques Zoua in Szene setzte, welcher wiederum den Ball lehrbuchmäßig nach unten pflückte und zum 1:0 einschob (20.). Ausgerechnet Zoua, der Elfmeter-Fehlschütze von Bochum! Der Kameruner klopfte sich vor der Westkurve energisch auf die Brust, frei nach dem Motto: "Seht her, ich kann's doch!" Und die Fans ließen ihn hochleben.

Moritz zeigt sein bestes Saisonspiel – nicht nur wegen "Zidane"

Ein Sonderlob verdienten sich auch die beiden Außenverteidiger Marcel Gaus und Phillipp Mwene. Und Christoph Moritz, der sein bisher bestes Spiel im FCK-Trikot mit seinem ersten Tor krönte: Der 27-jährige trieb den Ball zunächst per Zidane-Trick selbst nach vorne und bekam ihn dann über den Umweg Kerk und Mwene im Strafraum wieder zurück, wo er viel Zeit hatte und überlegt am Fürther Keeper vorbei schob (39.). Der Jubel über das 2:0 wirkte bei den Spielern und auch bei den Fans fast etwas verhalten, möglicherweise auch ein Anzeichen für die vorhandene Anspannung. Und doch war schon zum Pausentee klar: Das müsste für den so wichtigen Heimsieg reichen.

Im Halbzeitgespräch bei Sky resümierte FCK-Idol Hans-Peter Briegel gar die "beste Saisonleistung" seines Vereins. Ganz so herausragend war es zwar nicht, aber die Führung gegen den Tabellensechsten aus Franken doch hochverdient.

Im zweiten Abschnitt passierte dann außer Geplänkel nicht mehr viel. Der FCK überließ Fürth das Spiel (30 zu 70 Prozent Ballbesitz), lauerte auf Gegenstöße, aber das eigentlich obligatorische 3:0 wollte nicht mehr fallen. Am erwähnenswertesten waren noch die Einwechslungen von Robert Glatzel, der die Pfiffe der Fans wohl nur mit einem Tor verstummen lassen kann, und von Kacper Przybylko, der nach seinen erneuten Fußproblemen ein kleines Comeback gab.

Schulterschluss zwischen Spielern und Fans

Den Fans war das alles von Minute zu Minute immer mehr egal und die hemmende Anspannung wich einer gelösten Entspannung. Kurz vor dem Abpfiff wurde die "Bastion Betzenberg" geflaggt, ehe Trainer Norbert Meier seine komplette Mannschaft in die Westkurve schickte. Das lange nicht mehr gesehene Abklatschen von Spielern und Fans war ein klares Signal für den Schulterschluss, den der FCK für die verbleibenden sechs Saisonspiele benötigt – und nicht zuletzt eine gelungene Siegesfeier.

In der total, total verrückten zweiten Liga beträgt der Abstand zwischen Platz 7 und 17 nur sieben Punkte. Und der FCK steckt mittendrin in diesem Pulk. Es ist noch einiges möglich, aber Mannschaft und Fans dürfen keinen einzigen Prozentpunkt nachlassen, um nicht doch noch im Abstiegsstrudel zu versinken. Nächste Woche an Ostersonntag geht es zum Aufstiegskandidaten Union Berlin.

 
27. Spieltag VfL Bochum 0 - 0 FCK Spielbericht
Die Angst im Kopf

Die Angst im Kopf

 

06.04.2017 - 12:30 Uhr

Der FCK lässt in Bochum zwei wichtige Punkte im Abstiegskampf liegen und bestätigt erneut seine Schwächen in der Offensive. Weil alle Konkurrenten im Tabellenkeller punkten, wachsen die Sorgen beim FCK-Anhang.

 

Was wäre gewesen, wenn Jacques Zoua den Strafstoß in der 21. Minute verwandelt hätte? Was wäre gewesen, wenn der Kameruner oder einer seiner Mitspieler eine der zahlreichen anderen Chancen genutzt hätten? Keine Frage, in Bochum haben die Roten Teufel zwei Punkte liegen gelassen und damit einen Befreiungsschlag im Tabellenkeller verpasst.

Gut 1.000 Fans hatten den Betze am Mittwochnachmittag ins Ruhrgebiet begleitet, trotz undankbarer Anstoßzeit. Auch auf Heimseite stieß die fanfeindliche Terminierung nicht auf Gegenliebe: "Anstoß 17:30 Uhr – Wat soll der Scheiß!?", fragte ein breites Spruchband vor der Osttribüne, der Heimat der VfL-Fans. Insgesamt waren 12.932 Zuschauer gekommen.

Bochums Fans: Zwischen Anfeuerung und Ausgliederung

Zwischen den vielen freien Flächen im schnörkellosen, kompakten Ruhrstadion waren immerhin die beiden Stehplatzbereiche eng gefüllt, entsprechend gut hörbar war der Support auf beiden Seiten. Bochums Anhang war gut aufgelegt und vor allem dann laut (und das übrige Stadion mitnehmend), wenn die eigenen Spieler mit dem simplen "VfL! VfL! VfL!"-Schlachtruf nach vorne gebrüllt wurden, was einige Male ordentlich zu "donnern" wusste. Abseits des Spielgeschehens setzte sich die blau-weiße Fanszene vor allem kritisch mit der ähnlich wie beim FCK angedachten Ausgliederung auseinander: "Eingetragener Verein" und "Ausgliederung verhindern" prangte auf großen Lettern vor beiden Hintertortribünen.

Auch die Roten Teufel wurden von ihren mitgereisten Anhängern ab der ersten Minute nach vorne gepeitscht und angefeuert. Die Mannschaft von Norbert Meier, in gleicher Grundformation wie gegen Braunschweig aufs Feld beordert, schien sich da nicht lumpen lassen zu wollen und bot nach kurzer Anlaufphase eine ansprechende Leistung. Abgesehen von einzelnen beunruhigenden Wacklern bei Standardsituationen standen die Roten Teufel defensiv stabil und suchten munter den Weg nach vorne.

Noch im Hinspiel war Osayamen Osawe mit drei Toren zum Matchwinner avanciert, in Bochum rückte er für Sebastian Kerk in die Startelf – und hätte nach rund 20 Minuten beinahe wieder den Weg zur Führung bereitet. Bochums Pawel Dawidowicz, der schon im letzten Aufeinandertreffen mehrmals alt gegen Osawe ausgesehen hatte, foulte Lauterns Angreifer im Strafraum. Jacques Zoua trat selbstbewusst zum fälligen Elfmeter an – und vergab kläglich (21.). Es war das frühe Sinnbild des gesamten Lautrer Spiels an diesem Tag.
Denn trotz bester Chancen erzielten die Gäste nicht den einen entscheidenden Treffer, der vermutlich so vieles leichter gemacht hätte. Denn immer dann, wenn die Meier-Elf kontern konnte, wurde es vor dem Bochumer Kasten gefährlich.

Kollektives Haare raufen im Gästeblock

Zur Pause stand die "Null" auf beiden Seiten. Zeit zum Durchatmen und – was leider wieder Pflicht wird – zum Checken der Konkurrenz-Ergebnisse. Tabellen wurden aktualisiert, Ergebnisse verglichen, Ticker nachgelesen: 1860 führte, bei Aue stand es noch 0:0. Keine optimalen Resultate, mit denen es in den zweiten Durchgang ging.

"Auf geht's, Lautern schieß' ein Tor", gab der Gästeblock nun die Devise vor. Doch Zoua (54.) und Osawe (55.) vergaben erneut gute Möglichkeiten. Es war zum Verzweifeln, kollektives Haare raufen im Gästeblock begleitete die Angriffsversuche der Lautrer, die mit fortlaufender Spieldauer immer fahriger zu Ende gespielt wurden.

Und dann raffte sich plötzlich auch noch Bochum auf und schickte sich an, den FCK einige Minuten in der Defensive zu beschäftigen und die Fans vorübergehend verstummen zu lassen. Gefährlichste Szene: Stipe Vucur musste einen Bochumer Kopfball gerade so auf der Linie wegkratzen (87.) und verhinderte die absolute Katastrophe – nämlich eine Niederlage, durch die der FCK endgültig zum Verlierer des Spieltags geworden wäre. Denn: Plötzlich führte Aue, wodurch die Veilchen mit den Pfälzern nach Punkten gleichzogen und den Abstiegskampf sieben Spieltage vor Schluss weiter zuspitzen.

Kritik an der Offensive – Halfars Zuversicht

"Irgendwann kommt die Heimmannschaft auch mal auf", umschrieb Meier die Schlussminuten in Bochum, wollte aber vor allem betonen: "Bis dahin hatten wir die Möglichkeit, das Spiel für uns zu entscheiden." Stipe Vucur nahm ebenfalls die Offensive in die Pflicht: "Vorne haben wir immer wieder Akzente gesetzt und müssen eigentlich ein Tor machen."

Doch das war den Lautrern an diesem Tag wieder nicht vergönnt. Zum dritten Mal in Folge blieben die Teufel torlos, zum zweiten Mal nach dem 0:0 in St. Pauli wurde sogar ein Elfmeter verschenkt. So blieb es auch in Bochum beim Remis und bangen Blicken auf die Tabelle. Die Angst geht wieder um und sorgt je nach Ausgestaltung ("So spielt ein Absteiger" vs. "Andere Mannschaften sind schlechter") unter den Betze-Fans für unterschiedliche Prognosen.

Daniel Halfar wollte nicht leugnen, dass es für den FCK immer enger wird. Der Kapitän mühte sich aber sofort um Zuversicht: "Wir spielen noch gegen alle Mannschaften da unten. Das sind Spiele, in denen wir mal einen Big Point holen können und müssen." Dafür allerdings müssen die Roten Teufel auch mal wieder das Tor treffen. Und sei es nur vom Elfmeterpunkt aus.

 
26. Spieltag FCK 0 - 1 Eintracht Braunschweig Spielbericht
Um den verdienten Lohn gebracht

Um den verdienten Lohn gebracht

 

03.04.2017 - 00:30 Uhr

Gegen Braunschweig verpasste der FCK knapp einen wichtigen Erfolg für die Moral. Hauptschuld daran trugen ein ausgebliebener Elfmeterpfiff und eine Unkonzentriertheit wenige Minuten vor Schluss.

 

Schon vor dem Anpfiff verriet die Stimmung auf dem Betzenberg, dass mal wieder eines der reizvolleren Duelle im ansonsten tristen Zweitliga-Alltag anstand: Der kriselnde 1. FC Kaiserslautern empfing den Aufstiegsaspiranten Eintracht Braunschweig. Während sich die Westkurve einstimmte und neben "Arsch aufreißen" an die eigene Mannschaft auch ein paar Grüße an die mit den Gästen befreundeten Rivalen aus der Kurpfalz schickte, skandierten die Löwen-Fans "Absteiger! Absteiger!" in Richtung des Lautrer Anhangs.

 

Als Absteiger präsentierte sich der FCK allerdings über weite Strecken nicht. Norbert Meier hatte seine Elf mit einer defensiven Fünfer- bzw. Dreierkette in ungewohnter Formation ins Rennen geschickt. Seine Maßnahmen griffen allerdings: Eine ganze Reihe von vielversprechenden Torannäherungen erspielten sich die Roten Teufel im ersten Durchgang und nahmen damit – wie schon so oft in dieser Saison angekündigt – die eigenen Fans mit.

Pfiffe gegen den Gegner – Halfars voller Einsatz wird gefeiert

Bei strahlendem Sonnenschein war der FCK-Anhang gut aufgelegt, klatschte, brüllte und feierte jeden Ballgewinn und jede Grätsche seiner willigen Mannschaft. Diese allerdings ließ sich mit fortlaufender Spieldauer den offensiven Schneid abkaufen und stattdessen immer tiefer zurückdrängen. Die letzten Minuten vor dem Pausenpfiff waren die Lautrer vor allem in der Verteidigung gefordert, konnten sich aber auch dabei der lauten Unterstützung vor allem aus der Westkurve gewiss sein.

Nach der Pause ging es munter weiter und wie sehr der FCK trotz allerlei spielerischen Mängel an diesem Tag wirklich wollte, ließ sich kurz nach der Halbzeit an Daniel Halfar ablesen: Der viel gescholtene Kapitän leistete sich erst einen unnötigen Ballverlust, jagte seinem Gegenspieler dann aber bis zur Eckfahne nach und warf sich gleich dreimal mit vollem Körpereinsatz in dessen verzweifelte Befreiungsversuche. Nur wenige Meter daneben tobte die Westkurve. "Das war ein bisschen Betze-Feeling", sagte Norbert Meier später.

Als der FCK nach gut einer Stunde ein regelrechtes Powerplay aufzog und zu einer ganzen Reihe von Chancen kam, machten die offiziell 23.756 Zuschauer Rabatz für 40.000. Halfars Riesenchance (65.)? Krachende Anfeuerungsrufe! Ballgewinne an der Seitenlinie? Tosender Applaus! Foulspiele des Gegners? Gellende Pfiffe! "Die Fans haben die Mannschaft herausragend unterstützt", lobte Sportdirektor Uwe Stöver.

Gegen Ende: Zwei entscheidende Momente

Es war klar: Das Spiel steuerte nun der Entscheidung entgegen. Ausgerechnet der Schiedsrichter spielte zunächst die Hauptrolle: Braunschweigs Gustav Valsvik berührte den Ball mit der ausgefahrenen Hand, doch der berechtigte Elfmeterpfiff blieb aus. Uwe Stöver gestikulierte wild, Norbert Meier starrte fassungslos auf den Rasen, Gerry Ehrmann marschierte mit geballten Fäusten in Richtung des vierten Offiziellen und die Zuschauer von der Westkurve bis zur Süd- und Nordtribüne flippten völlig aus.

Auch auf dem Rasen wurde es nun wild – bis zum zweiten entscheidenden Moment, der lähmendes Entsetzen nach sich zog. Denn die verdiente Führung erzielte nicht die Meier-Elf, sondern die Eintracht aus Braunschweig. Einen der gefühlt tausend Eckbälle nutzten die Niedersachsen zu einem mehr oder weniger erzwungenem Duseltor durch Mirko Boland (79.), der sich trotz Gesichtsmaske gegen Julian Pollersbeck durchsetzte.

Immerhin: Der FCK schüttelte sich kurz und kam durch den völlig freistehenden Lukas Görtler (80.) und den bei seiner Einwechslung in der 87. Minute mit Pfiffen begrüßten Robert Glatzel (90.) zu noch zwei großen Ausgleichschancen. Das Tor wollte aber nicht fallen – und die Abstiegsplätze rücken bedrohlich nahe.

"Wir müssen das jetzt mitnehmen für die nächsten Spiele", sagte Norbert Meier und meinte nicht nur die ansprechende, aber ungekrönte Leistung seiner Mannschaft, sondern auch die Atmosphäre von den Rängen. "Das werden wir auch in den kommenden Wochen brauchen", bestätigte Uwe Stöver. Respekt zollte dem Support auch Braunschweigs Torsten Lieberknecht: "Lautern wurde, wie ich fand, toll unterstützt vom Publikum. Ich bin tausend Prozent überzeugt, dass die Spiele so laufen, dass die nötigen Punkte geholt werden."

 
25. Spieltag Arminia Bielefeld 2:0 FCK Spielbericht
Harmlos, hilflos, kopflos: Aufbaugegner FCK

Harmlos, hilflos, kopflos: Aufbaugegner FCK

 

18.03.2017 - 13:40 Uhr

Es ist ein Klassiker unter pessimistischen Fußballfans: Der eigene Verein als Aufbaugegner für Krisenclubs. Für den FCK wurde dieses Worst-Case-Szenario bei Schlusslicht Bielefeld wahr.

Arminia Bielefeld hatte nach dem Abrutschen auf den letzten Tabellenplatz seinen Trainer Jürgen Kramny entlassen und noch vor der Länderspielpause auf einen Befreiungsschlag gegen den 1. FC Kaiserslautern gehofft. Da war für die Pessimisten schon vorher klar, was kommen musste und dann auch kam: Mit Interimscoach Carsten Rump gewann der DSC verdient mit 2:0 gegen einen völlig überforderten FCK, an dessen Seitenlinie mit Norbert Meier ein anderer Ex-Armine stand. Und der nun endgültig selbst im Abstiegskampf angekommen ist, wie schon vor genau einem Jahr nach der Pleite beim damaligen Schlusslicht Düsseldorf – ein ganz übles Déjà-vu für alle Roten Teufel.

FCK-Fanblock füllt sich erst nach einer halben Stunde

Im Gästeblock auf der Bielefeler Alm zeigte sich schon zum Spielbeginn ein (vorläufig) trauriges Bild, kaum Zaunfahnen oder sonstige FCK-Symbole waren zu sehen. Der Grund: Ein Großteil der Lautrer Ultras hatte mit Verzögerungen bei der Zug-Anreise zu kämpfen. Ein kleiner Stimmungspulk im unteren Bereich des Blocks versuchte zwar sein bestes, konnte aber den Rest der rund 1.000 mitgereisten Betze-Fans nicht mitreißen. Die FCK-Anhänger wurden erst hörbar, als die Ultras nach 35 Minuten im Stadion ankamen und ihre Fahnen hissten.

 

Viel verpasst hatten sie bis dahin nicht – dachte man zu diesem Zeitpunkt jedenfalls. Tatsächlich war die beste Phase des FCK-Spiels da schon vorbei, für das Trainer Meier sich eine neue 4-4-2-Taktik mit Robin Koch und Daniel Halfar im Mittelfeldzentrum sowie Robert Glatzel und Jacques Zoua im Angriff ausgedacht hatte. Die beste Chance der ersten Halbzeit hatte dann auch Glatzel, der aus drei Metern an Daniel Davari scheiterte, während auf der anderen Seite Julian Pollersbeck ganz stark gegen Keanu Staude und Christoph Hemlein rettete. Zur Pause stand es somit nicht wirklich zufriedenstellend 0:0.

"Im Stil eines Absteigers"

So richtig katastrophal wurde es dann aber im zweiten Abschnitt. Die Roten Teufel präsentierten sich beim Schlusslicht harmlos, hilflos und kopflos. "Im Stil eines Absteigers", titelt die Rheinpfalz, während der SWR nüchtern konstatiert: "Kaiserslautern enttäuscht beim Letzten". Die Fan-Reaktionen im Diskussionsforum von Der Betze brennt fallen teilweise noch drastischer aus: "Meier ist die ärmste Sau". Wie ein Hühnerhaufen stand die Abwehr beim 0:1 durch Hemlein (48.). Und auch vom 0:2 durch Sebastian Schuppan blieb mehr das mangelhafte Abwehrverhalten als die leichte Abseitsstellung des Torschützen hängen (75.). Nach vorne ging abgesehen von einem Ewerton-Kopfball gar nichts mehr bei den Roten Teufeln, Mittelfeld und Angriff waren einmal mehr Totalausfälle.

Die Mehrheit der Bielefelder Fans unter den 16.618 Zuschauern auf der Alm konnte dementsprechend lautstark feiern (DSC-Coach Rump: "Wir wollten das Stadion zurückgewinnen"), während der Lautrer Anhang wenigstens auf der Tribüne noch einen Punktgewinn verbuchen konnte. Wenn man schon den ganzen Freitag für eine Auswärtsfahrt opfert, fast die komplette erste Halbzeit verpasst und dann auch noch gegen den Letzten verliert, dann sollte man wenigstens noch das Beste daraus machen. Und so ging der FCK sozusagen mit wehenden Fahnen unter, die Fans ließen die Stimmbänder noch mal glühen und sogar zum ersten Mal seit rund 15 Jahren eine Trompete in der Kurve erklingen. Gebracht hat das alles freilich nichts mehr und als die bedröppelten FCK-Spieler nach Abpfiff zum Gästeblock kamen, wurden sie mit einer Mischung aus Aufmunterung und deftigen Worten verabschiedet.

Meier fordert Kampfgeist statt Schnickschnack

Das Wochenende der meisten FCK-Fans dürfte gelaufen sein und es bleibt zu hoffen, dass auch die Spieler in der nun anstehenden Länderspielpause den Ernst der Lage erkennen. Norbert Meier machte deutlich, dass die Zeit der versuchten Schönspielerei jetzt endgültig vorbei sein muss: "Wir können die nächsten Spiele nicht mit rein technischen Möglichkeiten lösen, sondern wir müssen schon richtig dagegen halten. Das müssen wir uns heute vorwerfen."

Man muss gar nicht das legendäre 5:0 gegen Real Madrid als Vergleich heranziehen, welches sich am Tag der Niederlage beim Zweitliga-Schlusslicht zum 35.-mal jährte. Der Blick auf die Tabelle macht deutlich, dass die Rückrunde bislang nicht viel besser verlaufen ist als der desaströse Beginn der Hinrunde. Wie schon vor einem Jahr geht der FCK auf Tuchfühlung zur Abstiegszone in die letzte Länderspielpause (damals startete danach eine Siegesserie) und wieder einmal haben die Roten Teufel das Klischee des Aufbaugegners für Krisenclubs erfüllt.

 
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