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8. Spieltag Union Berlin 5 - 0 FCK Spielbericht
Auflösungserscheinungen in der Hauptstadt

Auflösungserscheinungen in der Hauptstadt

 

26.09.2017 - 17:15 Uhr

Auf die Heimniederlage vor Minuskulisse gegen Aue folgt der nächste Tiefpunkt. An der Alten Försterei wird die junge Truppe aus der Pfalz zur leichten Beute für die Eisernen. Union Berlin schlägt den 1. FC Kaiserslautern mit tatkräftiger Unterstützung der Roten Teufel selbst.

 

Der Zerfall-Prozess verläuft schleichend: "Nur" 800 Tickets hatte der FCK im Vorverkauf abgesetzt. Am Montagabend sorgten immerhin weitere 400 Fans der Pfälzer an der Tageskasse für rege Betriebsamkeit. Als Gründe für die fanfeindliche Terminierung wurden der Berlin-Marathon und die Bundestagswahl genannt, letztendlich fanden sich somit 1.200 der eigentlich so reisefreudigen Betze-Fans im Gästeblock ein. Nur widerwillig füllten sie die Ränge. Viel lieber stand man mit den anderen bei einem Bier und Steak-Brötchen vor dem Block, in sicherem Abstand zum Platz. Andere hinderte ein Busunfall an der pünktlichen Ankunft. Mit dem nahenden Anpfiff sammelten sich die Anhänger hinter den Zaunfahnen im Block und dem obligatorischen "We don't like Mondays"-Banner am Zaun und warteten bang auf das, was kommen sollte.

Das neue, vorläufige Trainerteam des FCK, das anfangs selbst noch seinen Platz im Stadion suchte und zunächst auf der Bank Platz nahm, ehe man sie auf die separaten Trainerstühle hinwies, hatte bei der Kaderzusammenstellung schon einiges bewegt und auch die erste Elf nochmal verändert. Kapitän Daniel Halfar war wieder fit genug für 90 Minuten. Phillipp Mwene rotierte in die Abwehr hinein. Giuliano Modica erhielt eine neue Chance und auch Gino Fechner durfte von Anfang an ran. U19-Trainer Alexander Bugera coachte die Mannschaft sehr aktiv aus der Trainerzone heraus, NLZ-Leiter Manfred Paula agierte eher punktuell. Doch die Eingriffsmöglichkeiten blieben spärlich.

Riesige Lücken, wo in der Vorsaison kein Durchkommen war

Die Hoffnungen nach dem Trainerwechsel waren groß, doch schon in der sechsten Minute setzte es den ersten Dämpfer. Mit einer unüberlegten Aktion bediente Marius Müller per Abwurf die Berliner und Sebastian Polter netzte ein (6.). Kurz danach trudelte dann auch die letzte Busbesatzung im Gästeblock ein, die das Glück hatten, die ersten Minuten von verunsicherten Roten Teufeln und entschlossenen Köpenickern verpasst zu haben. Besser wurde es jedoch nicht. Die zweite Trommel war gerade installiert, die fehlenden Zaunfahnen drapiert, der Block zum Zusammenhalt animiert und die Mannschaft kollektiv angefeuert, da erhöhte Giuliano Modica nach einer Ecke per Eigentor auf 2:0 für die Heimmannschaft (11.). Fassungslosigkeit machte sich breit, die nach dem durch einen Fehlpass eingeleiteten 3:0 in Panik umschlug (25.). Wo letzte Saison eine engmaschige Abwehr die Gegner zur Verzweiflung brachte, klafften heute riesige Lücken. Jede Offensiv-Aktion der Gegner führt entweder zu einem Tor oder muss durch Torwart Müller spektakulär entschärft werden. Rettungsaktionen der Feldspieler: Fehlanzeige. Gleiches gilt für die Kommunikation der Roten Teufel. Jeder kämpft oder spielt für sich allein, aber Absprachen mit den Mitspielern wirken eher wie der Austausch von Vorwürfen und Besserwissereien.

Mit dem dritten Gegentreffer fand die Unterstützung im Gästeblock ihr jähes Ende. Das Geschehen auf dem Platz drohte zum Hintergrundrauschen zu verkommen, als Schiedsrichter Markus Schmidt zur Freude der Union-Fans Elfmeter gegen den FCK pfiff. Den frühen Dreierpack von Polter konnte Müller allerdings entschärfen und den Strafstoß abwehren. In dieser Situation hätten früher die Mitspieler ihrem Torwart aufmunternd und dankbar abgeklatscht. Nicht in der Saison 2017/18. Lauter Jubel und ein Hauch von Aufmunterung im Gästeblock, doch wenige Minuten später fälschte Correia den Ball zum zweiten Eigentor des Spiels (Das vierte Eigentor im achten Spiel der Saison - bei nur drei eigenen Treffern) in die Maschen (32.). Selbst die kühnsten Träumer dürften sich hier von einem spektakulären Comeback in der zweiten Halbzeit verabschiedet haben. Kurz vor Halbzeitpfiff und nach 15:0 Torschüssen für Union, zog "Manni" Osei Kwadwo mit einem satten Schuss aufs Tor der Unioner. 15:1 Torschüsse. Ohne Erfolg für Kaiserslautern. Mit Halbzeitpfiff zogen die ersten Gästefans schon Konsequenzen und traten den Heimweg an, andere trieben den Umsatz am Bierstand in die Höhe. Viele Gespräche wurden geführt, die teilweise auch die zweite Halbzeit überdauerten.

Nach dem Abpfiff: Leere Gesichter auf beiden Seiten

Als die Union-Fans nach Wiederanpfiff zum "Scheiß DFB"-Wechselgesang anstimmten, war der Gästeblock parat und neben einem kollektiven "Fußballmafia DFB"-Gesang wurde noch mit Banner gegen die Installation der chinesischen U20-Nationalmannschaft im Regionalliga-Fußball demonstriert. Union Berlin hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon längst aus der eigenen Krise rausgeschossen und den Schongang eingestellt. In der 77. Minute fiel trotzdem noch das 5:0. Zusammen mit dem 0:5 in Koblenz vor neun Jahren die höchste Niederlage in der Lautrer Zweitliga-Historie. Endstand und Signal für viele, wenn auch nicht alle Fans, die Zaunfahnen einzurollen. Die wenigen Schwenkfahnen und Doppelhalter waren da schon längst verstaut. Viele Fans ballten die Fäuste und verließen weit vor Spielende mit einem wütenden "Wir sind Lautrer und ihr nicht" den Block und überließen der schweigenden Mehrheit die letzten Minuten.

Mit Abpfiff ging Alexander Bugera Richtung Gästeblock und zog die Mannschaft hinter sich her, blieb aber der einzige Rote Teufel vorne am Zaun. Die anderen wahrten mit leeren Gesichtern einen Sicherheitsabstand zu den Anhängern. Leere Gesichter und Sicherheitsabstand dominierten auch im Gästeblock. Milan Sasic hätte hier wohl länger nach Hass in den Gesichtern suchen müssen, um Liebe zu finden.

 
7. Spieltag FCK 0 - 2 Erzgebirge Aue Spielbericht

In tiefster Not

In tiefster Not

 

20.09.2017 - 01:30 Uhr

Das Heimspiel gegen Erzgebirge Aue dürfte das letzte von Norbert Meier als Cheftrainer des 1. FC Kaiserslautern gewesen sein. Seinen Nachfolger erwartet eine Mannschaft, die sich wie ein Absteiger präsentiert.

 

Er versteckte sich nicht: Auch weit nach dem Abpfiff stand Norbert Meier im Presseraum noch einmal Rede und Antwort, sprach über die Misere des FCK und die Gründe für die sportliche Talfahrt. Was der 58-Jährige nicht aussprach: Es wird wohl das letzte Mal gewesen sein, dass er das Wort als Trainer des 1. FC Kaiserslautern führte. Auf die Frage, ob er nun noch ein Gespräch mit dem Vorstand habe werde, antwortete Meier, der am Mittwoch auch noch Geburtstag hat, mit einen Lächeln: "Ich habe noch ein Gespräch, aber mit meiner Frau."

Nach der dritten Niederlage in Folge steht Meiers Abschied beim FCK unmittelbar bevor. Zu schwer wog der blasse Auftritt seiner Mannschaft nach dem 0:2 gegen den Abstiegskonkurrenten Aue, der den Lautrern nun schon acht Punkte enteilt ist. Nicht nur das Ergebnis, vor allem die Leistung der Mannschaft lieferte wenige Argumente für eine Weiterbeschäftigung des Trainers.

Minuskulisse im Fritz-Walter-Stadion: Nur 16.613 Zuschauer

Schon der Rahmen ließ erahnen, dass dieser Tag ein tristes Ende nehmen würde. Nur 16.613 Zuschauer hatten offiziell den Weg ins Fritz-Walter-Stadion gefunden - abzüglich der zuhause gebliebenen Dauerkarteninhaber dürften es sogar noch deutlich weniger gewesen sein - womit eine neue Minuskulisse in der Zweitliga-Historie des FCK aufgestellt wurde.

Passend zu den überwiegend leeren Tribünen und der löchrigen Westkurve lieferten die Roten Teufel einen grottigen Auftritt ab. Aues Sören Bertram sorgte mit einem Doppelpack für eine 0:2-Niederlage und bestrafte eklatante Lücken in der Lautrer Defensive. Düstere Erinnerungen an den 26. September 2007 wurden wach, als es vor ähnlicher Kulisse ein 0:2 gegen den SV Wehen Wiesbaden setzte und der FCK am Saisonende fast abgestiegen wäre.

Wie schon zuvor Kiel und Sandhausen bekamen die Zuschauer den Eindruck, dass der Gegner noch nicht einmal an seine Grenzen gehen musste, um den FCK zu bezwingen. Und so war es auch wenig verwunderlich, dass sich schon früh im Spiel immer wieder eine merkwürdige Stille über das Stadion legte. Es gab fast durchgehend keine wütenden Pfiffe, kein Aufbrausen, nicht einmal die erwartbaren "Meier raus"-Rufe.

Erst gegen Ende, als der Trainer quasi mit dem Schlusspfiff im Kabinengang verschwand und sich die Mannschaft langsam der Kurve näherte, regte sich die Masse, pfiff, brüllte und wütete kurz gegen die Spieler. "Außer Ehrmann könnt ihr alle gehen“, hieß es unter anderem. Dem Publikum war schon vorher aufgefallen, dass der Torwarttrainer in der Coaching Zone aktiver war als manch ein Spieler auf dem Rasen. "Ich habe Verständnis für die Reaktion", sagte Marcel Correia später. Doch auch dem Innenverteidiger fiel es schwer, Worte und schlüssige Erklärungen für die gegenwärtige Lage des FCK zu finden.

Polonaise im Gästeblock - 150 Fans sind aus Aue dabei

Deutlicher sonniger stellte sich die Situation auf der anderen Seite dar. Mit einem 2:0-Sieg fand Aue die richtige Antwort auf das 0:3 vergangene Woche gegen Kiel. "Ich bin stolz ein Teil dieser Mannschaft zu sein", fasste FCE-Trainer Hannes Drews das komplette Kontrastprogramm zum FCK zusammen. Bombenstimmung herrschte trotz gähnender Leere auch im Gästeblock: Mit einer Polonaise und höhnischen Gesängen in Richtung des FCK ("Heimspiel in Lautern, wir haben ein Heimspiel in Lautern!") feierten die mitgereisten Sachsen ihren ersten Sieg in der Pfalz. Vom zuhause durchgezogenen Stimmungsboykott waren die Veilchen-Anhänger auf dem Betze abgerückt, sodass die knapp 150 Anhänger ihre Party ausgelassen feiern konnten.

Dass es nicht mehr waren, lag wohl auch an der ungünstigen Anstoßzeit mitten in der Woche um 18:30 Uhr. Gegen die fanfeindlichen Spielansetzungen protestierte die Westkurve mit Spruchbändern und Trillerpfeifen. Letzteres brachte ihnen eine Rüge des Schiedsrichtergespanns ein, das über den Stadionsprecher Mitte der zweiten Halbzeit bat, nicht mehr in die Pfeifen zu blasen, um die Spieler nicht abzulenken. So blieb am Ende fast nichts anderes übrig, als die entsetzte Stille bis zum Schluss.

 
6. Spieltag SV Sandhausen 1 - 0 FCK Spielbericht

Spielbericht: SV Sandhausen - 1. FC Kaiserslautern 1:0

The same procedure as every year

The same procedure as every year

 

16.09.2017 - 23:20 Uhr

Man fühlt sich an Paul Breitner erinnert: Sollte der FCK vielleicht künftig die Punkte per Post nach Sandhausen schicken? Nach der obligatorischen Niederlage am Hardtwald wird die Luft für den bedauernswerten Norbert Meier dünner und der Frust bei den Fans immer größer.

 

Was hat man als FCK-Fan eigentlich verbrochen? Ist die lange Leidenszeit vielleicht der Preis für die Meisterschaft 1998, die ja wirklich ein Jahrhundertereignis war? Oder gibt es doch ganz pragmatische Gründe für den schon seit so vielen Saisons andauernden Niedergang? Das Auswärtsspiel des 1. FC Kaiserslautern beim SV Sandhausen konnte all diese Fragen nicht beantworten. Und dennoch war es - mal wieder - symptomatisch für die Gesamtlage bei den Roten Teufeln.

4.000 FCK-Fans im Hardtwaldstadion

Erstmals waren einige (Sitz-)Plätze im Gästeblock leer geblieben, aber inklusive der umliegenden Bereiche bevölkerten trotzdem wieder 4.000 FCK-Fans das Hardtwaldstadion, welches mit 8.103 Zuschauern nicht sonderlich gut besucht war. Im Gegensatz zum Schietwetter vor einer Woche in Kiel strahlte diesmal die Sonne und die Schlachtenbummler aus der Pfalz waren durchaus frohen Mutes.

FCK-Trainer Norbert Meier besetzte seine Mittelfeldzentrale überraschend mit Patrick Ziegler, Christoph Moritz und Daniel Halfar. Eine Belebung ins Spiel brachte diese Formation jedoch nicht, wie der Coach später auch mit Blick auf die mangelnde Torgefahr eingestehen musste: "Es hängt nicht nur an den Stürmern, sondern auch an den Vorbereitern."

Wie jedes verdammte Jahr in Sandhausen...

Das Spiel plätscherte wie wirklich jedes verdammte Jahr in Sandhausen so vor sich hin und das FCK-Team kam nicht in die Pötte. Nach 25 Minuten traf der SVS die Latte, die Betze-Fans skandierten erstmals zaghaft: "Wir woll'n euch kämpfen sehen!" Eine Reaktion der Mannschaft? Fehlanzeige! Kurz vor dem Halbzeitpfiff rettete dann Marius Müller vor dem völlig freistehenden Haji Wright, woraufhin der Schlussmann von den mitgereisten Fans gefeiert wurde: "Müller! Müller!" Puh, wenigstens noch null zu null.

Festzuhalten blieb schon zu diesem Zeitpunkt, dass die Abstände zwischen den Lautrer Mannschaftsteilen riesig waren, das Zusammenspiel mangelhaft und der Meckerfaktor bei Müller und Co. ziemlich hoch. Der FCK hatte keine Ideen nach vorne, stand gegen keineswegs starke Sandhäuser (SVS-Trainer Kocak: "Es war mit Sicherheit nicht unser bestes Spiel") aber auch hinten nicht komplett stabil.

Hand! Elfmeter! Oder doch nicht?

Richtig skurril wurde es dann nach gut einer Stunde: Als Sandhausens Tim Kister im Strafraum plötzlich die Hand an den Ball legte, zeigte Schiedsrichter René Rohde auf den Elfmeterpunkt. Wilde, minutenlange Diskussionen waren die Folge, Unsicherheit auf dem Platz und auf den Rängen. Die FCK-Fans jubelten schon ob des Pfiffs, doch blieb es ihnen im Halse stecken, als der Unparteiische auf Schiedsrichterball umentschied. Ein Pfiff von der Tribüne, vermutlich aus dem Heimbereich, hatte den Spieler irritiert und das Handspiel ausgelöst. Wie später u.a. die "Sportschau" auflöste, war diese Entscheidung wohl wirklich korrekt, die betreffende Regel sei vor einiger Zeit geändert worden. Bei den FCK-Spielern herrschte natürlich trotzdem Fassungslosigkeit und im Gästeblock blanke Wut: "Scheiß DFB!"

"Das muss man nicht feiern, liebe FCK-Fans"

Während dieses ganzen Trubels lief auch noch ein Flitzer mit FCK-Schal übers Spielfeld, was den Sandhäuser Stadionsprecher zu der Durchsage veranlasste: "Das muss man nicht feiern, liebe FCK-Fans - bitte hört auf damit!" Aber wenn man sonst nichts zu feiern hat?!

Doch Sandhausen wäre nicht Sandhausen, wenn nicht noch der komplette Tiefschlag gefolgt wäre: Nur zwei Minuten nach dem Elfmeter-Theater segelte eine Flanke von Philipp Klingmann auf den Kopf von Lucas Höler und es stand plötzlich 1:0 für die Heimelf (68.). Pure Fassungslosigkeit! Zum x-ten Mal in der noch jungen Saison zeigte die FCK-Abwehr eine beängstigende Schlafmützigkeit, völlig ohne Abstimmung und offenbar im Kopf noch mit der Szene zuvor beschäftigt.

Die FCK-Abwehr schläft, das Aufbäumen kommt zu spät

"Ohne Schiri habt ihr keine Chance", hallte es hilflos-frustriert aus der Gästekurve, während der halb leere Heimblock stichelte: "Dritte Liga, Lautern ist dabei!" In der Schlussphase schmiss die Meier-Elf dann noch mal alles nach vorne, der Weckruf war nun endlich zu allen durchgedrungen, aber es war zu spät. Sebastian Andersson und der eingewechselte Lukas Spalvis kamen noch zu den quasi einzigen Lautrer Torchancen, selbst Marius Müller stürmte mit nach vorne, aber es blieb bei der - verdienten - Niederlage im Hardtwaldstadion. The same procedure as every year.

Die Bilanz des FCK nach einem Drittel der Hinrunde: Vier Auswärtsspiele, vier Niederlagen. Zuhause zwei magere Unentschieden. Tabellenplatz 17. Die Luft für Norbert Meier wird dünner, auch wenn der Trainer zweifellos nicht der Alleinschuldige an der Misere ist. Am Dienstag kommt es im Fritz-Walter-Stadion gegen Erzgebirge Aue - wohl vor einer absoluten Minuskulisse - zum ersten Endspiel dieser Saison.

U23-Sieg in Dudenhofen: "Seht ihr Profis, so wird das gemacht!"

Immerhin einige Lautrer machten trotzdem noch das Beste aus dem misslungenen Fußball-Tag: Auf der Rückfahrt von Sandhausen legten mehr als 250 FCK-Fans einen Zwischenstopp im Speyerer Vorort Dudenhofen ein, wo sie bei guter Atmosphäre einen 4:1-Auswärtssieg der FCK-U23-Mannschaft bejubeln durften. Einer von vielen Fangesängen lautete: "Seht ihr Profis, so wird das gemacht!"

 
5. Spieltag Holstein Kiel 2 - 1 FCK Spielbericht
Lautern steht im Regen

Lautern steht im Regen

 

10.09.2017 - 00:00 Uhr

Der 1. FC Kaiserslautern wartet weiter auf den ersten Sieg in der 2. Bundesliga. Beim Aufsteiger Holstein Kiel kassieren die Roten Teufel in letzter Sekunde einen Gegentreffer, der für pure Fassungsloskeit sorgt.

 

Mit dem Ziel, endlich den ersten Sieg einzufahren, war der FCK an die Kieler Förde gereist. Rund 1.200 Fans hatten ihre Mannschaft auf dieser Mission begleitet, teils sogar schon am Vorabend für ein stimmungsvolles Heimspiel in der Innenstadt gesorgt. Am Spieltag selbst waren sogar höhere Mächte um Unterstützung bemüht, denn fast das ganze Spiel über schickte der Himmel Fritz-Walter-Wetter runter.

All das schien aber nicht zu helfen, die regenerprobten Kieler nämlich wussten sich bei den nassen und rutschigen Bedingungen ebenso gut zurechtzufinden wie die Gäste aus der Pfalz. Schuld am aus Sicht der Lautrer bitteren Spielausgang hatte das allerdings nicht. Vielmehr war es mal wieder eine Verkettung von Pech, Unfähigkeit und falschem Timing, dass den FCK am Ende um wenigstens einen Punkt brachte.

Es schienen sich alle Kräfte gegen den FCK verschworen zu haben: Die letzte Sekunde der Nachspielzeit, ein Eigentor, ein machtloser Torhüter und eine groteske Flugbahn des Balls sorgten für die kalte Dusche der Lautern-Fans, die im nicht überdachten Gästeblock des Holstein-Stadions gefühlt und tatsächlich im Regen standen.

"Wir fragen uns, was wir eigentlich verbrochen haben"

Was wohl viele dachten, sprach Norbert Meier später aus und haderte mit den höheren Fußballgöttern: "Wir fragen uns, was wir eigentlich verbrochen haben." Seinen Spielern ging es nicht anders. Marius Müller wütete, Stipe Vucur rang um Worte, Daniel Halfar zeigte sich tief enttäuscht. Auf dem Platz gingen die Blicke der Roten Teufel nach dem Last-Minute-K.O. ins Leere. "Ich habe es gar nicht gecheckt. Es ist bitter, wenn die anderen feiern und du steht da und weißt gar nicht, warum du verloren hast", formulierte Patrick Ziegler seine Gedanken. "Ich hatte nicht das Gefühl, dass Kiel noch wollte. Die wissen selbst nicht, warum sie gewonnen haben."

Die meisten der 10.837 Zuschauer, die an diesem Tag ins mit manch charmant-uriger Ecke ausgestattete Holstein-Stadion gekommen waren, interessierte das Zustandekommen natürlich wenig. Dem Heimpublikum war die Freude über das Spiel gegen den "ehrwürdigen 1. FC Kaiserslautern", wie die Gastgeber auf ihrer Website schrieben, ohnehin die ganze Zeit anzumerken. Nach den eher wenig stimmungsvollen Auftakt-Heimspielen gegen Sandhausen und Fürth war die Atmosphäre während der Partie fast durchgehend gut. Nicht nur die Hintertor-Tribüne, auch die Haupt- und Gegengerade beteiligte sich am Support, stieg auch in Wechselgesänge ein und trieb den Aufsteiger an.

Rot-weiße Regenschirme im Gästeblock

Allemal sehen lassen konnte sich da aber auch der Gästeblock, wo die meisten mitgereisten FCK-Fans ihren Platz gefunden hatten und von Ordnungsdienst sowie Polizei freundlich empfangen wurden. Zu Beginn gaben die Lautrer Schlachtenbummler hinter einer kleinen Choreographie unter dem Motto "We love Saturdays" - organisiert vom "Pfalz Inferno" als Gegenstück zur bekannten Protestaktion "We don't like Mondays" - ein geschlossenes Bild ab. Mit vielen Schwenkfahnen, Luftballons, Konfetti und passend zum Wetter einigen rot-weißen Regenschirmen wurde den Jungs vom Betze gehuldigt. Insgesamt gestaltete sich der Support in der nur wenige Stufen umfassenden Hintertorkurve aber nicht so einfach.

Als sich der FCK im Laufe der ersten Hälfte ein Chancenplus erspielte, wuchs dennoch auch die Stimmung im Lautrer Bereich - und fand kurz vor Schluss einen unerwarteten Dämpfer. Neuzugang Sebastian Andersson verlor den Ball, am Ende eines Kieler Konters traf Steven Lewernz im Gegenzug zum 1:0 (43.).

Meier lobt die Moral seiner Elf

Doch immerhin: Seine Mannschaft habe Moral bewiesen, wie Meier später ausdrücklich lobte. Trotz zum Teil ungewohnter Aufstellung (zudem suspendierte der FCK-Cheftrainer Lukas Spalvis für ein Spiel, offiziell aus disziplinarischen Gründen) schlugen die Pfälzer zurück.

Zwar benötigten die Meier-Schützlinge nach dem Pausenpfiff, während sich im Gästeblock die letzten Schwaden einiger bunter Rauchtöpfe verzogen, etwas Anlaufzeit. Dann machte Andersson seinen Patzer im ersten Durchgang wieder gut und erzielte aus kurzer Distanz den Ausgleich, der am Ende doch nicht zum Punktgewinn reichte - ein bisschen auch der Tatsache geschuldet, dass der FCK mehr auf Verwalten als auf Angriff geschaltet hatte. "Ich denke, das 1:1 wäre für uns verdient gewesen", sagte Meier und riet der vom Regen durchnässten Mannschaft und den Fans: "Jetzt heißt es sich schütteln und weitermachen. Das ist das einzige, was uns bleibt."

 
4. Spieltag FCK 1 - 1 Eintracht Braunschweig Spielbericht
Kastaneer bewahrt den Durchblick

Kastaneer bewahrt den Durchblick

 

29.08.2017 - 15:00 Uhr

Was ist das Unentschieden gegen Braunschweig für den FCK wert? In der Tabelle erstmal nicht viel. Und doch gab es kleine Lichtblicke an diesem Montagabend auf dem Betzenberg.

 

Nur noch 20.100 Zuschauer pilgerten zum Heimspiel des 1. FC Kaiserslautern gegen Eintracht Braunschweig ins Fritz-Walter-Stadion – eine derbe Minuskulisse für diesen frühen Zeitpunkt der Saison. Der sportliche Niedergang und die organisatorischen Pannen beim ersten Heimspiel hatten die Roten Teufel viele Zuschauer gekostet, aber auch die ungeliebte Anstoßzeit am Montagabend spielte eine Rolle. Und so protestierten die Fans in der Westkurve erstmal unter dem bekannten Motto "We don't like mondays" gegen fanfeindliche Anstoßzeiten. Auf mehr als 20 Transparenten waren Sprüche zu lesen wie "Glotze aus – Stadion an", "Football is for the weekend" oder "Grüße an die Jungs auf der Spätschicht".

Minuskulisse auf dem Betze: "We don't like mondays"

Ein trübes Bild zeigte sich beim Blick in den Gästeblock: Aufgrund vereinsinterner Streitigkeiten haben die Braunschweiger Ultras den Support eingestellt. Keine Fahnen, nahezu null Stimmung und nur 400 mitreisende BTSV-Fans waren das Resultat. In der Westkurve sorgten unterdessen die Fans, die trotz aller Widrigkeiten mit dabei waren, vor allem zu Beginn für eine ordentliche Lautstärke.

Auf dem Rasen stand die Mission "Erster Heimsieg" im Mittelpunkt, für die Norbert Meier seine Formation änderte und mit Gervane Kastaneer anstatt Gino Fechner auf mehr Offensive setzte. Und tatsächlich: Der noch gar nicht richtig fitte Kastaneer sollte zu einem der Teufel des Tages werden, er zeigte viel Präsenz und setzte Akzente. Zunächst stand aber ein anderer FCK'ler im Mittelpunkt: Marius Müller sorgte mit mehreren Glanzparaden dafür, dass das Meier-Team gegen überlegene Braunschweiger im Spiel blieb. In der 27. Minute war aber auch der Torwart machtlos, als sich Stipe Vucur und Co. von der gegnerischen Angriffsreihe übertölpeln ließen und Onel Hernandez in der Mitte nur noch einschieben musste. Mit diesem 0:1 ging es in die Halbzeitpause und als FCK-Fan konnte es einem hier schon angst und bange werden.

Erstmals eine positive Reaktion nach einem Gegentreffer

Aber der Pausentee zeigte Wirkung: Norbert Meier hatte seine Formation leicht umgestellt, auch durch die verletzungsbedingte Auswechslung von Daniel Halfar, und Spieler wie Benjamin Kessel nahmen nun das Heft in die Hand. Der FCK begann gleich mal mit einem Lattenkracher von Osayamen Osawe und erarbeitete sich zahlreiche Möglichkeiten. Zwar war auch Braunschweig plötzlich viel passiver als zuvor, aber die Roten Teufel bäumten sich auf und reagierten erstmals in dieser Saison positiv auf einen Gegentreffer. Vorne sorgte Verteidiger Kessel mit mehreren Chancen für Wallung, auf den Rängen wurde das Publikum wieder wach, und hinten vereitelte Müller mit einer weiteren Großtat die einzige Chance des BTSV im zweiten Abschnitt.

In der 80. Minute war es dann schließlich soweit: Kurz zuvor hatte sich Gervane Kastaneer seiner Schutzbrille entledigt und erlangte nun sozusagen den "Durchblick". Der junge Holländer erhielt auf der linken Außenbahn den Ball, zog eine Flanke in den Strafraum – und plötzlich war der Ball drin! Leicht abgefälscht, unglücklich für die Eintracht, aber wen interessiert das schon? Die Stimmung im spärlich besetzten Fritz-Walter-Stadion war zu diesem Zeitpunkt schon längst wieder prächtig: "Steht auf, wenn ihr Lautrer seid!" Der FCK hatte den hochverdienten Ausgleich erkämpft und Braunschweig, der noch unbesiegte Aufstiegskandidat, setzte nun sogar auf Zeitspiel. Irgendwie brachte der BTSV die Punkteteilung dann auch über die Runden.

Meier: "Wichtig für die Moral unserer Mannschaft"

Nach dem Schlusspfiff fielen die Roten Teufel rückwärts auf den Boden. Erschöpft, enttäuscht, aber irgendwie auch zufrieden mit dieser zweiten Halbzeit. "Der späte Ausgleich war für die Moral unserer Mannschaft unglaublich wichtig", resümierte Trainer Meier auf der Pressekonferenz. Und in der Tat: In der Tabelle hilft der Punktgewinn nicht weiter, der FCK steht immer noch auf einem beängstigenden 17. Platz. Aber zumindest die Reaktion der Mannschaft in der zweiten Halbzeit kann Mut machen. Das honorierten auch die Fans, die am Zaun der Westkurve kurz, aber intensiv mit ihren Spielern abklatschten und sich anschließend in die restliche Arbeitswoche verabschiedeten.

 
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